Die Jugendantifa Kreis Osnabrück fand sich im Zuge der Nachbereitung der Aktivitäten gegen den NPD-​Aufmarsch am 7. März 2009 zusammen, als wir das Fehlen antifaschistischer Strukturen und Angebote für junge Menschen in Osnabrück bemerkten. Um diese Lücke zu schließen, bildeten wir eine Antifa-​Gruppe. Wir streben an, eine verlässliche Kontinuität antifaschistischer Arbeit zu errichten.

Darunter verstehen wir öffentlich zugängliche Aufklärungs-​ und Informationsangebote, wie z.B. die Bildungsfahrten zu den Gedenkstätten Auschwitz und Neuengamme, die wir in den vergangenen Jahren mit großer Resonanz durchgeführt haben, sowie Vorträge und Veranstaltungen zu aktuellen Themen und Mobilisierungstreffen für Demonstrationen. Genauso wichtig sind Recherchearbeit und Schutz-​ und Beratungsangebote für bedrohte Menschen oder Orte.
Jedoch halten wir es auch nach wie vor für entscheidend, Faschist_Innen offensiv auf der Straße und bei Aktionen und Demonstrationen entgegenzutreten, und ihnen dadurch keinen Raum zu lassen, ihr menschenverachtendes Gedankengut zu verbreiten. Dabei versuchen wir durch Kundgebungen, Demonstrationen und andere Aktionen, Öffentlichkeit zu schaffen und auf die Notwendigkeit antifaschistischer Interventionen hinzuweisen.

Es ist uns egal, ob sich die Rechten „Autonome Nationalisten“ nennen und modisch/geschichtsrevisionistisch gegen die BRD „rebellieren“, oder ob sich brave Burschis am Stammtisch unter Applaus über Jüd_innen und Migrant_innen auslassen. Diese Weltanschauungen bleiben für uns reaktionär und richten sich als solche gegen die befreite Gesellschaft.
Wir werden sie nie ignorieren und ihnen erst recht keinen Fußbreit der Straße überlassen!
Dabei begreifen wir den Faschismus als Teil des Problems, das als Gesellschaftssystem Kapitalismus heißt. Dessen Verwertungslogik selektiert Menschen nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen, weshalb Ausgrenzungsmechanismen, wie Antisemitismus, Rassismus und Sexismus begünstigt werden und sich darüber hinaus als nützlich erweisen.
Die Überwindung des Faschismus ist somit nur mit der damit einhergehenden Überwindung des kapitalistischen Normalvollzuges und seiner bürgerlichen Ideologie möglich.

Dadurch, dass faschistoides Gedankengut in letzter Zeit zunehmend bis in die Mitte der Gesellschaft salonfähig gemacht wird, wie z.B. die Debatte um den Rechtspopulisten und Antisemiten Thilo Sarazzin zeigt, entstehen vermehrter Zulauf und stillschweigende Zustimmung für nationalistisch-​völkische Ressentiments.
Wir wollen diese Mechanismen der Ausgrenzung offenlegen und bekämpfen, seien es Antisemitismus, Homophobie, Sexismus, sowie jegliche (andere) Formen der Xenophobie.
Uns ist dabei bewusst, dass auch wir, die wir in diesem Gesellschaftssystem sozialisiert wurden, Teile dieser Einstellungen verinnerlicht haben und folglich auch reproduzieren. Der Kampf gegen diese fängt daher auch bei uns selbst an.
Unter anderem, um Räume zu schaffen, in denen mensch vor Anfeindungen dieser Art sicher sein kann, unterstützen wir Forderungen nach linken, selbstorganisierten Freiräumen, in denen, in dem Rahmen, in dem es im Kapitalismus möglich ist, ein Leben ohne Hierarchien erprobt werden kann.

Allerdings wollen wir als autonome Antifas uns in unserer Arbeit nicht von den Repressionsorganen dieses Staates kriminalisieren lassen und lehnen die hohle Phrasendrescherei der von den Parteien geförderten „Extremismustheorie“ ab. Diese setzt die Radikale Linke mit den Nazis gleich, mit dem Ziel, die illusorische Vorstellung einer „gesunden Mitte“ der Gesellschaft zu etablieren, an deren Rändern sich „Extremisten“ Scharmützel liefern.
Wir verstehen uns als antinational, revolutionär und progressiv.
Für einen emanzipatorischen Kampf gegen Staat, Nation und Kapital!
[JAKO]