Archiv der Kategorie 'Veranstaltungen'

5 Jahre [J]ugend[A]ntifa [K]reis [O]snabrück

Wir, die Jugendantifa Kreis Osnabrück [JAKO] wollen gehörig unseren 5-jährigen Geburtstag feiern.

Mit dabei sind:
Pyro One (HipHop – Berlin) https://soundcloud.com/pyro-one
13-House (HipHop – Osnabrück) https://soundcloud.com/aaron-3-1

Callisto (Drum‘n'Bass/ Techno – MVMNT – Leckermühle) https://soundcloud.com/callisto-mvmnt
HanLolo (Techno – Serum – Osnabrück) https://soundcloud.com/lorenz-troiza/hanlolo-johnnys-car-city
F.G.I.P.S. (Techno – Kaputt & Glücklich – Osnabrück)

Eintritt: 5€ Solieintritt
Beginn: 21.00h

Special:
Als Hersteller diverser Bekleidungsartikel begrüßen wir euch mit einem Freigetränk, wenn ihr mit JAKO-Klamotten auflauft!

Hier geht’s zur Facebook-Veranstaltung!

Also los, feiert mit uns!
Love Antifa-birthday – Hate fascism!

Antifa heißt Bus fahren!

Am 07. Juni 2014 mo­bi­li­sie­ren Neo­na­zis bun­des­weit zum so­ge­nann­ten „Tag der deut­schen Zu­kunft“ nach Dres­den. Das ur­sprüng­lich nord­deut­sche Na­zi-​Event soll ver­mut­lich, auf­grund der er­folg­rei­chen Ge­gen­pro­tes­te bei den „Fe­bru­ar-​Auf­mär­schen“, jetzt in Sach­sen ver­an­stal­tet wer­den, um einen über­re­gio­na­len Auf­marsch in der Lan­des­haupt­stadt durch­zu­füh­ren.

Dar­auf haben wir na­tür­lich gar kei­nen Bock! Kommt mit uns nach Dres­den, um den Nazis ihren „Tag der deut­schen Zu­kunft“ ge­hö­rig zu ver­mie­sen.
Aus die­sem Grund wird es in die­sem Jahr wie­der einen Bus nach Dres­den geben. Ti­ckets (für ca. 20-25€) und wei­te­re In­for­ma­tio­nen be­kommt ihr bei den nächs­ten Ter­mi­nen im Café Résis­tan­ce:

01.​04.​14 – 19.​00h – Os­na­brück/Sub­stAnZ
15.​04.​14 – 19.​00h – Os­na­brück/Sub­stAnZ
06.​05.​14 – 19.​00h – Os­na­brück/Sub­stAnZ
20.​05.​14 – 19.​00h – Os­na­brück/Sub­stAnZ

Get ac­tive – drive Bus!
Kein Tag der deut­schen Zu­kunft in Dres­den

„Antifa Infoparty 3″ in Greven (Kesselhaus) am 04.04.14

Am 04.04.14 findet ab 18.00h in Greven (Kesselhaus) die „Antifa Infoparty 3″ statt. Eintritt kostet nur 5€ + Solispende!

Mit dabei sind Refpolk + Filou (Hip-Hop), Grenzwert (Ska-Punk) zu­sam­men mit 13-House (Hip-Hop) und Kommando Zurueck (Elek­tro­punk).

antifa infoparty 3

„Vor dem gan­zen Klimm­bimm fin­det ein in­ter­es­san­ter In­fo­vor­trag über „Hip-Hop in der rech­ten Szene“ statt. Nazis und Hip-Hop das klingt erst­mal selt­sam, gibts nicht?! Gibts doch und daher bringt die re­fe­rie­ren­de Per­son ein paar hüb­sche Infos zum Thema mit.“

Kommt vorbei!
LOVE MUSIC – HATE FASCISM!

Facebook-Veranstaltung
antifainfoparty.blogsport.de/

Café Klatsch zum Tag der politischen Gefangenen

Tag der politischen Gefangenen

Am 18.3 ist wieder Café Klatsch! Für Menschen, die sich für die aktuelle Lage rund um die Geflüchteten interessieren, oder/und beabsichtigen am 22.3 nach Münster (gegen den 1000 Kreuze Marsch) und am 29.3 nach Dortmund („Erinnern heißt Kämpfen“ Demo) zu fahren, könnte dies besonders interessant werden.
Außerdem wird ein Film zum Tag der politischen Gefangenen gezeigt. Wie gewohnt also am 18.3 ab 19h im SubstAnZ, Frankenstraße 25a.

Abschlussbericht und Reflexion der Proteste gegen die Innenministerkonferenz (IMK) vom 4. bis 6.12.2013 in Osnabrück

Das Bündnis „Kein Frieden mit der IMK“ hat einen ersten Abschlussbericht verfasst, welchen wir hier gerne teilen möchten:

copy and paste via keinfriedenmitderimk.noblogs.org

„Als wir irgendwann im späten Sommer 2013 davon erfahren haben, dass die Herbstkonferenz der Innenminister_innen in Osnabrück stattfinden sollte, war für uns von Anfang an klar, dass das „ein ganz großes Ding“ für uns wird und wir die nächsten Monate kaum noch Zeit für andere Sachen haben werden. So sollte es sein.

In diesem Abschlussbericht wollen wir unsere Arbeit reflektieren, die Tragweite einer solchen Veranstaltung für die Szene verdeutlichen, die Ergebnisse der Konferenz selbst beurteilen (gesonderter Text) und schließlich nach vorn blicken und euch, als möglicherweise demnächst selbst Betroffene, ein paar Gedanken zur Hand geben.

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15.03. Solidemo für die Taubenstraße in Emsdetten

Solidaritätsdemonstration für die Arbeiter_innen in der Taubenstraße

Am 15.03. veranstaltet der Offene Antifaschistische Treff Emsdetten mit Bleiberechtgruppen aus Emsdetten und betroffenen Arbeiter_innen eine Demonstration gegen die Arbeits- und Unterbringungsstiutation in der Taubenstraße durch die Firma Sprehe.
Bereits morgen findet hierzu eine Mobiveranstaltung im Rahmen des Café Résistance statt.

Im Folgenden dokumentieren wir den Aufruf zur Demonstration

Der Demonstrationsaufruf

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Veranstaltungen gegen den 1000 Kreuze-Marsch in Münster!

blubb

Im Café Résistance sind am 18.02.2014 + 04.03.2014 Info- und Moblisierungsveranstaltungen gegen den „1000-Kreuze-Marsch“ in Münster. Es wird am 22.03.2014 unter anderem eine Demonstration gegen eben diese fundamentalistischen Christ*innen geben, also kommt vorbei und ab auf die Straße!

18.02.2014 – 19.00h – Filmvorführung/ Dokumentation über fundamentalistische Christ_innen in Deutschland im Café Résistance – SubstAnZ Osnabrück

04.03.2014 – 19.00h – Mobilisierungsveranstaltung gegen den 1000 Kreuze-Marsch am 22.03.2014 in Münster im Café Résistance – SubstAnZ Osnabrück

Jedes Jahr lau­fen fun­da­men­ta­lis­ti­sche Christ*innen durch Müns­ter. Mit wei­ßen Holz­kreu­zen be­waff­net beten sie gegen Schwan­ger­schafts­ab­brü­che, Ver­hü­tung, Sex vor der Ehe, Ho­mo­se­xua­li­tät und wo­ge­gen Men­schen fun­da­men­ta­lis­ti­scher Aus­rich­tung sonst noch so sind. Die­ser von „eu­ro­pro­li­fe“ or­ga­ni­sier­te Ge­bets­zug fin­det die­ses Jahr am 22. März statt. Auf den ers­ten Blick mag der Ge­bets­zug den Ein­druck einer skur­ri­len Ver­an­stal­tung er­we­cken. Die Kreu­ze­trä­ger*innen er­schei­nen man­chen als ge­sell­schaft­lich nicht ernst zu neh­men­de Min­der­heit. Tat­säch­lich ist die Be­we­gung, die hin­ter Ver­an­stal­tun­gen wie „1000 Kreu­ze für das Leben“ steht, aber keine ex­tre­me und iso­lier­te Rand­er­schei­nung, son­dern Teil einer brei­te­ren ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung. Die an­ti­eman­zi­pa­to­ri­schen und re­ak­tio­nä­ren In­hal­te, für die die Kreuz­trä­ger*innen auf die Stra­ße gehen, fin­den sich in ähn­li­cher Weise auch im ge­sell­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Main­stream, in den so­ge­nann­ten bür­ger­li­chen Par­tei­en und zum Teil auch in der ex­tre­men Rech­ten.

22.03.2014 – Demo in Münster gegen den 1000 Kreuze-Marsch

Raise your voice! Your body Your choice – Fe­mi­nis­ti­sche In­hal­te auf die Stra­ße tra­gen
1000-​Kreu­ze-​Mär­sche

Jedes Jahr lau­fen fun­da­men­ta­lis­ti­sche Christ*innen durch Müns­ter. Mit wei­ßen Holz­kreu­zen be­waff­net beten sie gegen Schwan­ger­schafts­ab­brü­che, Ver­hü­tung, Sex vor der Ehe, Ho­mo­se­xua­li­tät und wo­ge­gen Men­schen fun­da­men­ta­lis­ti­scher Aus­rich­tung sonst noch so sind. Die­ser von „eu­ro­pro­li­fe“ or­ga­ni­sier­te Ge­bets­zug fin­det die­ses Jahr am 22. März statt. Auf den ers­ten Blick mag der Ge­bets­zug den Ein­druck einer skur­ri­len Ver­an­stal­tung er­we­cken. Die Kreu­ze­trä­ger*innen er­schei­nen man­chen als ge­sell­schaft­lich nicht ernst zu neh­men­de Min­der­heit. Tat­säch­lich ist die Be­we­gung, die hin­ter Ver­an­stal­tun­gen wie „1000 Kreu­ze für das Leben“ steht, aber keine ex­tre­me und iso­lier­te Rand­er­schei­nung, son­dern Teil einer brei­te­ren ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung. Die an­ti­eman­zi­pa­to­ri­schen und re­ak­tio­nä­ren In­hal­te, für die die Kreuz­trä­ger*innen auf die Stra­ße gehen, fin­den sich in ähn­li­cher Weise auch im ge­sell­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Main­stream, in den so­ge­nann­ten bür­ger­li­chen Par­tei­en und zum Teil auch in der ex­tre­men Rech­ten.

Seit 2009 or­ga­ni­siert sich des­halb ent­schie­de­ner Wi­der­stand gegen den „1000-​Kreu­ze-​Marsch“. Mit ver­schie­de­nen Ak­ti­ons­for­men wird der Ge­bets­zug kri­tisch und laut­stark be­glei­tet und so ent­schlos­sen gegen die re­ak­tio­nä­re Ideo­lo­gie der Christ*innen pro­tes­tiert. Im letz­ten Jahr gab es erst­mals eine große und kraft­vol­le De­mons­tra­ti­on des Bünd­nis­ses „Gegen 1000 Kreu­ze“, die den In­hal­ten der christ­li­chen Fun­da­men­ta­list*innen ei­ge­ne fe­mi­nis­ti­sche und eman­zi­pa­to­ri­sche Po­si­tio­nen durch An­eig­nung des öf­fent­li­chen Raums ent­ge­gen­set­zen konn­te. Wäh­rend wir im Laufe der Jahre immer mehr wur­den, wur­den die Teil­neh­mer*innen des „Kreu­ze-​Mar­sches“ im Laufe der Jahre immer we­ni­ger. In an­de­ren Städ­ten ver­läuft die Ent­wick­lung al­ler­dings an­ders. In Ber­lin bei­spiels­wei­se neh­men an einem ver­gleich­ba­ren Marsch mitt­ler­wei­le über 2000 Men­schen teil.
Auch des­we­gen ist es nach wie vor wich­tig, nicht nur den Kreu­ze­trä­ger*innen, son­dern allen re­ak­tio­nä­ren Po­si­tio­nen eman­zi­pa­to­ri­sche In­hal­te ent­ge­gen­zu­set­zen.

„My body my choice“ bleibt un­se­re Pa­ro­le!

Im Ge­gen­satz zu den christ­li­chen Fun­da­men­ta­list*innen, die Men­schen in ihren re­pro­duk­ti­ven Rech­ten ein­schrän­ken – ihnen also ver­weh­ren wol­len, über ihren Kör­per, ihre Se­xua­li­tät und ihre ge­schlecht­li­che Iden­ti­tät frei zu ent­schei­den –, for­dern wir das kon­se­quen­te Recht auf Selbst­be­stim­mung in allen Fra­gen zu Kör­per, Ge­schlecht­lich­keit und Re­pro­duk­ti­on. Dazu ge­hört das Recht auf selbst­be­stimm­te Se­xua­li­tät eben­so wie die freie Ent­schei­dung dar­über, (keine) Kin­der zu haben, der Zu­gang zu si­che­ren und be­zahl­ba­ren Ver­hü­tungs­mit­teln sowie das Recht auf me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung und Be­hand­lung. Selbst­be­stim­mung heißt für uns, eine au­to­no­me Ent­schei­dung tref­fen zu kön­nen, und die­ses Recht endet erst dort, wo die Selbst­be­stim­mung einer an­de­ren ei­gen­stän­di­gen Per­son an­fängt. Eine ei­gen­stän­di­ge Per­son ent­steht nicht be­reits im Mo­ment der Be­fruch­tung einer Ei­zel­le.

Auch ge­samt­ge­sell­schaft­lich ist der Be­reich der re­pro­duk­ti­ven Rech­te ein um­kämpf­tes und re­gle­men­tier­tes Ter­rain. Die Ant­wor­ten auf Fra­gen wie „Wer kann/soll/muss/darf in die­ser Ge­sell­schaft Kin­der be­kom­men oder für Kin­der sor­gen? Wel­che Men­schen wer­den in wel­cher Weise in ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung ge­nom­men oder ge­drängt? Wer ver­sucht wie über wes­sen Kör­per zu be­stim­men? Und wel­che Föten sol­len aus­ge­tra­gen wer­den und wel­che nicht?“ spie­geln sich in ge­sell­schaft­li­chen Nor­men wider. Sie schla­gen sich in fa­mi­li­en-​, ge­sund­heits-​ und so­zi­al­po­li­ti­schen Maß­nah­men wie Be­treu­ungs­geld, El­tern­geld, Ad­op­ti­ons­recht (als he­te­ro­se­xu­el­les Pri­vi­leg), (Nicht-​)Fi­nan­zie­rung von Ver­hü­tungs­mit­teln und dem er­schwer­ten Zu­gang zu Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen nie­der.

Der staat­li­che Ein­griff in die re­pro­duk­ti­ven Rech­te der*des Ein­zel­nen zeigt sich zum Bei­spiel im ge­setz­li­chen Um­gang mit Ver­hü­tungs­mit­teln. Als eines der letz­ten eu­ro­päi­schen Län­der sperrt sich Deutsch­land gegen die Auf­he­bung der Re­zept­pflicht für die „Pille da­nach“. Wer das Me­di­ka­ment be­nö­tigt, muss zu einem*r Ärzt*in bzw. einem Kran­ken­haus Kon­takt auf­neh­men und kann dort, je nach kon­fes­sio­nel­ler Aus­rich­tung der Ein­rich­tung, ab­ge­wie­sen wer­den. Der Bun­des­rat hat im No­vem­ber die Re­zept­frei­heit der „Pille da­nach“ be­schlos­sen. Es fehlt al­ler­dings bis­her die Zu­stim­mung der Re­gie­rung, die wei­ter­hin an der CDU/CSU schei­tert. Re­li­giö­se Fun­da­men­ta­list*innen leh­nen die „Pille da­nach“ grund­sätz­lich ab, weil es für sie be­reits Mord ist, wenn das Ein­nis­ten einer be­fruch­te­ten Ei­zel­le ver­hin­dert wird.

(Fun­da­men­ta­lis­ti­sche) Christ*innen ver­su­chen nicht nur durch „1000-​Kreu­ze-​Mär­sche“, an­de­ren ihre Mo­ral­vor­stel­lun­gen auf­zu­zwin­gen. Im Rah­men von so­ge­nann­ten Geh­steig­be­ra­tun­gen be­läs­ti­gen sie au­ßer­dem Schwan­ge­re und Ärzt*innen vor Kli­ni­ken mit Hor­ror­ge­schich­ten über Schwan­ger­schafts­ab­brü­che und deren ver­meint­li­che Fol­gen.
Da­ne­ben gibt es zu­neh­mend ak­ti­ve Lob­by­ar­beit in Po­li­tik und Ge­sell­schaft. Immer mehr Be­ra­tungs­stel­len zum Thema Schwan­ger­schafts­ab­bruch sind in christ­li­cher Trä­ger­schaft. Diese geben vor, er­geb­nis­of­fen zu be­ra­ten. Bei Be­trach­tung ihrer Home­pages oder dem Be­such in den Be­ra­tungs­ein­rich­tun­gen wird aber schnell deut­lich, dass die meis­ten alles dafür tun, dass Schwan­ge­re keine Ab­brü­che vor­neh­men und alle Föten aus­ge­tra­gen wer­den.

Glei­che Schei­ße, an­de­res Eti­kett

Je nach Ideo­lo­gie und Welt­an­schau­ung wer­den An­grif­fe auf die re­pro­duk­ti­ve Selbst­be­stim­mung der*des Ein­zel­nen un­ter­schied­lich be­grün­det. Christ­li­che Fun­da­men­ta­list*innen und selbst­er­nann­te Le­bens­schüt­zer*innen ord­nen – ent­spre­chend ihrem re­li­giö­sen Ko­or­di­na­ten­sys­tem – das Selbst­be­stim­mungs­recht der Ge­bä­ren­den dem „Recht jedes un­ge­bo­re­nen Le­bens“ und dem ver­meint­li­chen „Wil­len Got­tes“ unter. Rechts­po­pu­list*innen wie Thilo Sar­ra­zin oder Eva Her­man be­mü­hen sich im na­tio­na­lis­tisch-​eli­tä­ren In­ter­es­se vor allem um die Föten deut­scher (Bil­dungs-​)Eli­ten, wäh­rend die ex­tre­me Rech­te ihre Re­pro­duk­ti­ons­po­li­tik am ras­sis­ti­schen Ideal eines „ge­sun­den und rein­ras­si­gen Volks­kör­pers“ ori­en­tiert. Aber auch in den De­bat­ten der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft jen­seits von Sar­ra­zin und Co. ste­hen hin­ter der Frage da­nach, wel­che Kin­der er­wünscht sind und wel­che nicht, ge­sell­schafts­po­li­ti­sche In­ter­es­sen und Vor­stel­lun­gen, die zur Re­gle­men­tie­rung der re­pro­duk­ti­ven Rech­te der*des Ein­zel­nen füh­ren.

Wie hoch das ge­sell­schaft­li­che Be­dürf­nis nach „ge­sun­den“/der Norm ent­spre­chen­den Föten und Kin­dern ist, zeigt sich be­son­ders deut­lich in der ak­tu­el­len me­di­zi­ni­schen For­schung und Pra­xis. Die Deu­tungs­ho­heit über re­pro­duk­ti­ve Fra­gen und dar­über, was als ein „le­bens­wer­tes“ Leben an­ge­se­hen wird, wurde wei­test­ge­hend in die­sen me­di­zi­ni­schen Be­reich ver­la­gert. Statt die ge­sell­schaft­li­chen, so­zia­len und le­bens­prak­ti­schen Be­din­gun­gen für Men­schen, die nach me­di­zi­ni­schen Maß­stä­ben von der Norm ab­wei­chen, zu ver­bes­sern, wer­den immer neue Me­tho­den der prä­na­ta­len Dia­gnos­tik ent­wi­ckelt, um so be­ein­flus­sen zu kön­nen, wel­che Föten über­haupt aus­ge­tra­gen wer­den. Der Druck von Sei­ten der Me­di­zin und Ge­sell­schaft auf Schwan­ge­re, ein ver­meint­lich be­hin­der­tes Kind nicht aus­zu­tra­gen, ist hoch. Auch hier wird Schwan­ge­ren das Recht auf Selbst­be­stim­mung und die Mög­lich­keit einer wirk­lich frei­en Ent­schei­dung ohne Zwän­ge, Zeit- und Fi­nanz­druck er­schwert. Und hier zei­gen sich die Wi­der­sprü­che be­son­ders deut­lich: Sind Schwan­ger­schafts­ab­brü­che ge­sell­schaft­lich immer noch eher ver­ur­teilt als ak­zep­tiert und il­le­gal (trotz Aus­set­zung der Straf­bar­keit bis zur 12ten Woche), so wer­den sie, wenn ver­mu­tet wird, dass der Fötus nicht der Norm ent­spricht, auf ein­mal legal.
Zu den so­ge­nann­ten me­di­zi­ni­schen In­di­ka­tio­nen zählt auch die Dia­gno­se „Tri­so­mie 21“, mit der die Wahr­schein­lich­keit recht hoch ist, dass der Fötus mit dem so­ge­nann­ten Down-​Syn­drom zur Welt kommt. Aus der Per­spek­ti­ve der Schwan­ge­ren mit einer sol­chen Dia­gno­se ent­steht ein gro­ßer Druck, die Schwan­ger­schaft ab­zu­bre­chen. Aus der Per­spek­ti­ve der Men­schen mit Tri­so­mie 21 wird durch die­sen ge­sell­schaft­li­chen Druck der Ein­druck ver­mit­telt, dass es sie ei­gent­lich gar nicht geben soll­te. Auch bei der Wahr­schein­lich­keit von Zwi­schen­ge­schlecht­lich­keit raten ei­ni­ge Ärzt*innen zu einem Ab­bruch. Ge­wünscht sind le­dig­lich Babys ohne Ab­wei­chun­gen von zen­tra­len ge­sell­schaft­li­chen Nor­men.

„Keim­zel­le der Na­ti­on“

Auch in den De­bat­ten um „de­mo­gra­phi­schen Wan­del“ und „al­tern­de Ge­sell­schaft“ zeigt sich deut­lich, dass alle Ent­schei­dun­gen rund um das Thema „(Nicht-​)Ge­bä­ren und (Nicht-​)Be­treu­en von Kin­dern“ kei­nes­wegs dem*der Ein­zel­nen über­las­sen sind. Im Ge­gen­teil wird das Thema „(keine) Kin­der“ un­mit­tel­bar mit der Frage nach dem Fort­be­stand der Na­ti­on, der Ab­si­che­rung des ge­sell­schaft­li­chen Wohl­stands und der Auf­recht­er­hal­tung des so­zia­len Frie­dens ver­knüpft und damit im schlech­tes­ten Sinne des Wor­tes zu einer Ge­mein­schafts­auf­ga­be er­klärt. Ein Er­geb­nis die­ses Pro­zes­ses sind fa­mi­li­en-​ und so­zi­al­po­li­ti­sche Steue­rungs­maß­nah­men, die vor allem auf eines zie­len: Gut aus­ge­bil­de­te und gut ver­die­nen­de Men­schen sol­len in he­te­ro­se­xu­el­len Part­ner­schaf­ten ge­sun­de Kin­der ge­bä­ren und diese zu pro­duk­ti­ven, also ver­wert­ba­ren Mit­glie­dern der Ge­sell­schaft er­zie­hen.

Ob­wohl die Rea­li­tä­ten an­ders aus­se­hen, wird die he­te­ro­se­xu­el­le Klein­fa­mi­lie damit als „Keim­zel­le der Ge­sell­schaft“ und al­lein an­zu­stre­ben­des Ideal auf­recht­er­hal­ten. Dabei soll­te nicht ver­ges­sen wer­den, dass die bür­ger­li­che Klein­fa­mi­lie als Ideal erst im Ka­pi­ta­lis­mus im Zuge der Ver­ein­zelung und der Aus­la­ge­rung der Ar­beits­stät­ten auf­kam. Die he­te­ro­se­xu­el­le Klein­fa­mi­lie gilt nach wie vor als Fun­da­ment des Staa­tes und als ge­sell­schaft­li­ches Ideal. Allen, die die­sem Ideal nicht hin­ter­her­he­cheln, soll die Ent­schei­dung „Kin­der oder keine“ ab­ge­nom­men wer­den. Dies be­trifft ins­be­son­de­re ho­mo­se­xu­el­le und tran­s­iden­te Men­schen, die in die­ser Frage auch recht­lich be­nach­tei­ligt wer­den. Trotz aller li­be­ra­len Lip­pen­be­kennt­nis­se zeigt sich in die­ser Dis­kri­mi­nie­rungs­pra­xis auch die ge­sell­schaft­li­che Macht der Angst vor Ho­mo­se­xua­li­tät und Tran­s­iden­ti­tät. Die Feind­schaft gegen ho­mo­se­xu­el­le und tran­s­iden­te Men­schen er­hält damit per­ma­nent Nähr­bo­den.

8. März – In­ter­na­tio­na­ler Frau­en­kampf­tag

Zum Zeit­punkt des Auf­ruf­s­chrei­bens sind wir davon aus­ge­gan­gen, dass der Marsch die­ses Jahr am 8. März statt­fin­det. Ist jetzt aber am 22.

Ver­mut­lich zie­hen die fun­da­men­ta­lis­ti­schen Christ*innen mit ihren re­ak­tio­nä­ren In­hal­ten aus­ge­rech­net am 8. März, dem in­ter­na­tio­na­len Frau­en­kampf­tag, durch Müns­ter (unser Kennt­nis­stand zum Zeit­punkt des Auf­ruf­s­chrei­bens). Für viele von uns hat die­ser Tag nach wie vor eine große Be­deu­tung, denn seit An­fang des 20. Jahr­hun­derts wer­den am 8. März in vie­len Län­dern die­ser Welt For­de­run­gen nach einem bes­se­ren Leben jen­seits pa­tri­ar­cha­ler und ka­pi­ta­lis­ti­scher Struk­tu­ren auf die Stra­ße ge­tra­gen. Auch wenn für uns die Ka­te­go­rie Frau nicht (mehr) der we­sent­li­che Be­zugs­punkt für un­se­ren Kampf um Be­frei­ung ist und wir es für wich­tig hal­ten, die Ver­schrän­kung und Wir­kung ver­schie­de­ner Dis­kri­mi­nie­rungs­struk­tu­ren (Se­xis­mus, Ras­sis­mus …) zu be­grei­fen, be­zie­hen wir uns den­noch nach wie vor auf die­sen Frau­en­kampf­tag. Dabei geht es uns nicht nur darum, aus einer Not­wen­dig­keit her­aus die­sen Tag mit fe­mi­nis­ti­schen In­hal­ten zu be­set­zen. Viel­mehr wol­len wir sicht­bar ma­chen, dass das Fest­hal­ten an pa­tri­ar­cha­len und ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen auch heute noch dazu führt, dass alle Men­schen, die die­sen An­for­de­run­gen nicht ent­spre­chen oder wi­der­spre­chen, den un­ter­schied­lichs­ten For­men von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt sind. Diese ge­sell­schaft­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen tref­fen nicht nur Frau­en, son­dern u. a. auch Les­ben-​Trans*-​In­ter und all jene, die jen­seits von Gen­der-​Ka­te­go­ri­en ihr Leben ge­stal­ten wol­len. Ohne die Kämp­fe der Frau­en­be­we­gun­gen wären die Le­bens­be­din­gun­gen für Frau­en­Les­benIn­ter­Trans* welt­weit noch schlech­ter, als sie es oh­ne­hin immer noch sind.

What so­lu­ti­on? Re­vo­lu­ti­on!

Vie­les von dem, was der Ka­pi­ta­lis­mus an Zer­stö­run­gen und Ver­ro­hun­gen her­vor­bringt, kri­ti­sie­ren auch die fun­da­men­ta­lis­ti­schen Christ*innen, die jedes Jahr in Müns­ter auf­mar­schie­ren. Auch wenn die Kri­tik an man­chen Punk­ten auf Miss­stän­de zielt, die auch wir kri­ti­sie­ren, wie zum Bei­spiel die Be­wer­tung von Men­schen auf­grund von ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­in­ter­es­sen, so sind so­wohl die Grund­la­gen un­se­rer Kri­tik als auch die Uto­pi­en, die wir an­stre­ben, grund­le­gend ver­schie­den von denen der Christ*innen: Ein ent­schei­den­der Be­stand­teil von Re­li­gio­nen und Staa­ten ist, dass sie au­to­ri­tär und re­pres­siv, durch Angst-​ und Straf­an­dro­hun­gen funk­tio­nie­ren. Wir aber wol­len keine Len­kung durch einen ver­meint­lich bes­se­ren Staat, keine mo­ra­li­sche oder in­sti­tu­tio­nel­le Füh­rung durch ver­meint­lich gött­li­che Vor­se­hung, Re­li­gi­on oder Kir­che. Wir kämp­fen für eine herr­schafts­freie Ge­sell­schaft mit Men­schen, die selbst­be­stimmt und so­li­da­risch mit­ein­an­der leben und han­deln kön­nen.

Kein Gott, kein Staat, kein Pa­tri­ar­chat!

Raise your voice! Your body your choice!

Kommt zur Demo nach Müns­ter am 22. März 2014 . 11 Uhr am Bre­mer Platz (Hin­ter­aus­gang Haupt­bahn­hof)

Fe­mi­nis­ti­sche In­hal­te auf die Stra­ße tra­gen! Für ein selbst­be­stimm­tes Leben und eine herr­schafts­freie Ge­sell­schaft!

weitere Infos unter http://gegen1000kreuze.blogsport.de/

Critical Whiteness – Workshop

Ankündigungstext:

Wir leben in einer Welt, die von rassistischen Strukturen durchzogen ist.
Critical Whiteness ist kein neues Thema, sondern (es ist) entstanden aus der Kritik schwarzer Feministinnen an der Dominaz weißer feministischer Positionen. Es geht um die Reflexion, weißer Privilegien. Dabei werden die Begriffe „Schwarz“ und „Weiß“ als politische Standorte gefasst. Wir möchten mit euch das Thema anhand ausgewählter Texte bearbeiten.

Donnnerstag 13.02.2014 im Substanz, Frankenstraße 25a
Eintritt frei

Die Veranstaltung findet im Rhamen von One Billion Rising statt. Weitere Informationen unter onebillionrisingosnabrueck.wordpress.com/

Weitere Veranstaltungen findet ihr in folgender Broschüre:

„Barkhindo bleibt – Abschiebungen stoppen“ – Soliparty am 01.​02.​2014 im Kesselhaus Greven

solisause

Bark­hin­do Di­al­lo soll ab­ge­scho­ben wer­den. Das fin­den wir und eine ganze Menge an­de­rer Men­schen ziem­lich da­ne­ben. Daher schmeißt das OAT am 01.​02.​2014 in Gre­ven im Kes­sel­haus ab 20:00 ne dicke Party.
Zum Auf­wär­men könnt ihr euch die Punk & Trash Band „Ali­e­na­te „ zu Ge­mü­te füh­ren. Das ist ir­gend­was zwi­schen Spice­girls und Schleim­keim. Da­nach wird es bass­las­tig. Im Kes­sel­haus fährt ab 22:00 näm­lich das Dub&Re­agges So­und­sys­tem „Roots pla­gue“ auf, wel­che die Wände samt mit­ge­brach­ten Bo­xen­turm zu beben brin­gen wird. Zu­sätz­li­ches Extra: die Ge­trän­ke­ein­nah­men gehen zum Teil und der Ein­tritt kom­plett in die Un­ter­stüt­zung für Bark­hin­do und gegen die ge­plan­te Ab­schie­bung. Der Ein­tritt be­trägt 3 Euro, für vega­nes Essen ist ge­sorgt und Ma­te­ri­al (Pos­ter, Flyer, Sti­cker) könnt ihr auf An­fra­ge bei uns be­kom­men.

Bark­hin­do Di­al­lo – Grund­la­gen­text 15.​01.​2014

Bark­hin­do Di­al­lo ist mit 17 Jah­ren aus sei­ner Hei­mat Gui­nea nach Deutsch­land ge­flüch­tet. Er wurde dort zur Ziel­schei­be eines Glau­bens­kon­flik­tes, da er eine freund­schaft­li­che Be­zie­hung zu einem christ­li­chen Mäd­chen pfleg­te sel­ber aber Mos­lem ist und war. Nach dem er durch einen An­griff schwer ver­letzt wurde und sich der Kon­flikt zu­neh­mend zu­spitz­te ent­schloss er sich sein ge­wohn­tes und ge­lieb­tes Um­feld zu ver­las­sen und die Flucht in die Un­ge­wiss­heit vor­zu­zie­hen, es blieb ihm nichts An­de­res übrig. In Dort­mund an­ge­kom­men wurde er von den Be­hör­den ca. 10 Jahre älter ge­macht wo­durch ihm das Grund­recht auf Schul­bil­dung ver­wehrt blieb. Er kam nach Sa­er­beck knüpf­te Kon­tak­te und Freund­schaf­ten und übte an der Ge­samt­schu­le einen 1 € Job aus.
Spä­ter wurde das Ver­fah­ren für eine Ab­schie­bung ein­ge­lei­tet. Die Be­hör­den: „Die Be­zie­hung zu dem Mäd­chen ent­behrt jeder Grund­la­ge“. Da­ge­gen wurde Wi­der­spruch ein­ge­legt und der Pro­zess wird aller Wahr­schein­lich­keit nach im Früh­jahr/Som­mer 2014 er­öff­net.
Mit­ler­wei­le ist Bar­kindho 19 Jahre alt, hat sich gut ein­ge­lebt, nimmt an einem VHS – Deutsch­kurs teil und möch­te einen Haupt­schul­ab­schluss und eine Aus­bil­dung ma­chen.
Das Pro­blem dabei: wie alle Men­schen mit un­si­che­rem Auf­ent­halts­sta­tus darf er kei­nen Beruf aus­üben und un­ter­liegt einer Re­si­denz­pflicht, darf sich also nur in einer be­stimm­ten Zone auf­hal­ten.
Neben vie­len Schü­ler_in­nen und ei­ni­gen Leh­rer_in­nen der Ma­xi­mi­li­an Kolbe Ge­samt­schu­le un­ter­stüt­zen auch wir den jun­gen Mann in dem Streit um das Blei­be­rech tund ein wür­di­ges Leben.
So sam­meln wir bei­spiels­wei­se Spen­den für den VHS-​Kurs, die Bus­an­rei­sen, In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al und Pro­test­in­fra­struk­tur und ver­su­chen in den Din­gen des all­täg­li­chen Le­bens be­ra­tend zur Seite zu ste­hen. Wer vie­l­e­licht noch den ein oder an­de­ren Euro ent­beh­ren kann, darf gerne auf unser Konto mit dem Ver­wen­dungs­zweck „Bark­hin­do Di­al­lo“ spen­den:

Bank­ver­bin­dung:
In­ha­ber: Of­fe­nes An­ti­ras­sis­ti­sches Tref­fen Ems­det­ten
Kon­to­num­mer: 844424
Bank­leit­zahl: 40153768
Ver­bunds­spar­kas­se Ems­det­ten-​Och­trup

Es ist äu­ßerst Not­wen­dig, dass Bar­kindho eine dau­er­haf­te Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung be­kommt, da er im Falle einer Ab­schie­bung Gui­nea den si­che­ren Tod er­fah­ren würde. Er ist nicht als „Wirt­schafts­flücht­ling“ zu be­wer­ten, da er aus einer kon­kre­ten Be­dro­hungs­la­ge für Leib, Leben und Exis­tenz ge­flüch­tet ist. Im Falle des­sen, dass das Ur­teil ne­ga­tiv aus­fällt und selbst eine „Här­te­fall­ent­schei­dung“ nicht zu einem po­si­ti­ven Er­geb­niss führt wer­den wir den Pro­test auf die Stra­ße tra­gen. Hier­zu möch­ten wir zu einem Un­ter­stüt­zer_in­nen und Ver­net­zungs­tref­fen im Früh­jahr ein­la­den. Die Daten dazu wer­den noch be­kannt ge­ge­ben, also ach­tet auf un­se­re An­kün­di­gun­gen und Ver­an­stal­tun­gen, er­zählt euren Fa­mi­li­en, Freu­d_in­nen… von dem Fall und bringt euch ein

via http://antiraems.blogsport.de

WKR? WTF! Das Treffen der europäischen Rechten unmöglich machen. Kein Burgfrieden dem Normalzustand

Wir unterstützen den Aufruf von „ums Ganze!“ und möchten euch natürlich wärmsten empfehlen, euch auf die Socken nach Wien zu machen.
Für weitere Infos kommt am 07.01.14 ins Café Résistance (http://caferesistance.blogsport.de/)

„Wir sind gekommen, um zu stören

Wenn am 24. Januar 2014 mit dem Wiener Korporations-, neuerdings Akademikerball, der gefühlte Geburtstag Kurt Waldheims und Jörg Haiders begangen wird, ist das nicht die harmlose Bergdeutschen-Variante des Kölner Karnevals, sondern das Schaulaufen der rechten Eliten Österreichs und Europas. Hier treffen Chauvinist*innen und Nationalist*innen aller Couleur zusammen: Korporationsstudenten und Politikerinnen, Professorinnen und Manager, Anwälte und Unternehmerinnen. Angemeldet von der Freiheitlichen Partei Östereichs (FPÖ) unterstreicht das fröhliche Gesellschaftsspiel in den imperialen Kulissen der Hofburg den Anspruch auf Führung und Gefolgschaft – zu Walzer und Polonaise, im Wichs und in Rüschen. Die von der Mensur entstellten Gesichter lassen erahnen, was der Restgesellschaft blüht, wenn die feschen Herren und Damen an Einfluss gewinnen. Nazis und Champagner? Gründe en masse, nach Wien zu fahren und die Party zu crashen!

Die falsche Antwort auf die falschen Verhältnisse

Was sich auf dem WKR-Ball, organisiert von den Burschenschaften des Wiener Korporationsrings, zusammenrottet ist die falsche Antwort auf die falschen Verhältnisse. Die falschen Verhältnisse, das sind die kapitalistischen. In der gegenwärtigen Krise bedeutet das: schlechtere Lebensbedingungen und alltägliche Not für viele, nicht nur in Griechenland. Die falsche Antwort lautet: Nationale Einpeitschung und höhere Zäune, verschärfter Wettbewerb und verschlechterte Arbeitsbedingungen, unverblümter Rassismus und immer nur noch mehr Gewalt, auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Doch die selbsternannten rechten Eliten, die den Ball besuchen, sind mit ihren Ideen nicht allein. Applaus erhalten sie von Menschen, die sich angesichts der Krise statt für Solidarität für die Politik der harten Hand entscheiden. In Zeiten von Angst und Verunsicherung sehnen sie sich nach Führung und der scheinbaren Übersichtlichkeit der Nationalstaaten, bescheidene Nestwärme inklusive. Angesichts des weltweiten Konkurrenzdrucks finden sie sich als Arbeitnehmer*innen bereitwillig mit den Arbeitgeber*innen ihres Landes in der »objektiven Schicksalsgemeinschaft« ein, die im Kampf mit anderen Nationen zu bestehen hat oder untergeht. Für den Standort und ein kleines Stück vom Kuchen schnallen sie den Gürtel enger und bestehen auf Leistungswahn und nationaler Zugehörigkeit. Als besonders fanatische Wohlstandschauvinist*innen erweisen sich dabei oft die bereits Abgehängten, die nur auf die gnädige Eingliederung in die Gemeinschaft hoffen können.

Nationalistisch sind nicht nur die Stammtischparolen, der Taumel beim Länderspiel, die Heimatliebe der Burschenschaftler oder der Fackelmarsch der Wutbürger*innen vorm örtlichen Asylbewerberheim. Sie sind vielmehr die augenfälligen und besonders widerwärtigen Zutaten eines umfassenden »nationalen Projekts«. Je nach politischer Großwetterlage hat dieses unterschiedliche Konjunkturen und Regierungen, mal christlich-konservativ, mal sozialdemokratisch. Ausgeliefert bleibt es jedoch stets auf Gedeih und Verderb der unverständlichen und chaotischen Ökonomie, deren Folgen es daher auf politischer Ebene einzuhegen und zu managen gilt. In der gegenwärtigen Krise erscheint vielen dabei offener Rassismus und Chauvismus als eine erfolgversprechende Option, um als nationale Leistungs- und Leidensgemeinschaft den Stürmen des Weltmarktes zu trotzen. Entlang von nationalstaatlichen und ethnisierten Grenzen wird entschieden, wer mitspielen darf und wie. Nach Außen legitimiert sich so eine mörderische Abschottung und nach Innen die gnadenlose Hierarchisierung und Disziplinierung. Falsch ist diese Antwort, weil sie die Krise des Kapitalismus nicht lösen kann – und dabei über Leichen geht.

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

Das irrige Versprechen einer nationalen Lösung der globalen Krise findet mehr und mehr Anhänger*innen: Der sogenannte Rechtspopulismus rückt derzeit politisch vom Rand in die Mitte. In Frankreich sehen Umfragen den extrem rechten Front National als stärkste Kraft. In Österreich hat jüngst ein Drittel der Wähler*innen Slogans wie »Liebe deine Nächsten – für mich sind das unsere Österreicher« (FPÖ) ihre Stimme gegeben. Und selbst in Deutschland, wo die CDU bislang noch immer den rechten Rand zu integrieren wusste, konnte sich die »Alternative für Deutschland« erfolgreich positionieren, wenn sie auch den Sprung in den Bundestag verfehlt hat. Für die 2014 im Mai anstehenden Europawahlen mit ihren traditionell geringen Wahlbeteiligungen steht ein rechter Erdrutschsieg durchaus zu befürchten. Und auf dem WKR-Ball im Januar treffen sich schon mal alle: In der Vergangenheit forderten sich hier Marine Le Pen (Front National aus Frankreich), Filip Dewinter (Vlaams Belang aus Belgien) oder Markus Beisicht (ProDeutschland) zum Tanz auf. Der Spitzenkandidat der FPÖ, Heinz-Christian Strache, ist sowieso vor Ort, denn die Wiener Landesgruppe der FPÖ meldet den Ball erneut an. Scheinbar paradox bereitet sich die nationale Erhebung so auf internationalem Parkett vor. Zwar ist der österreichische Patriotismus des Parteiobmanns Strache mit dem deutsch-völkischen Ansinnen vieler Burschenschaften nur bedingt vereinbar, und auch ansonsten dürften sich die politischen Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Nationalist*innen in Grenzen halten. Doch der WKR-Ball führt ein tragfähiges Arrangement vor, in dem neoliberale Standortpatrioten, völkische Freaks und Konservative aus ganz Europa sich ein Stelldichein geben. Wenn sie sich auch den Rest des Jahres im Namen der eigenen Nation untereinander befehden, so sind sich doch alle Teilnehmer*innen grundsätzlich darüber einig, dass es einer Hackordnung unter den Menschen und den Völkern bedarf, mit den Kulturvölkern Kontinentaleuropas an deren Spitze. Geht es am Ballabend vorgeblich gar nicht um Politik, ist das für die Teilnehmer*innen nur konsequent. Die feierliche Versicherung »abendländischer« Identität und Leitkultur ist für sie nichts Politisches, sondern etwas Vorpolitisches: Volk, Nation und Kultur sind ihnen keine geschichtlich entstandenen und von Menschen gemachten Gebilde, sondern von Natur oder Gott gegeben. Das Abfeiern der gemeinsamen abendländischen Identität hindert sie selbstredend nicht daran, durchaus handfeste politische Verabredungen anzubahnen, darunter die Bildung einer extrem rechten Fraktion im Europaparlament 2014. Der Bezug auf eine gemeinsame abendländische Kultur ist auch der Grund, warum der Übergang vom rechtskonservativem Abendland-und-Anstand-Gefasel zum Blut-und-Boden-Geraune an diesem Abend fließend ist, mit den studentischen Verbindungen und Burschenschaften als dessen Mittler. Der Ball führt dabei vor, wie rechte Parteien ihr Personal aus dem neonazistischen Milieu rekrutieren und es damit umgekehrt hoffähig machen. Dass Heinz-Christian Strache, der Nachfolger Haiders, selbst enge Kontakte in dieses Lager pflegte, ist da eine Information, die bei den Gästen der Hofburg wohl nur auf freundliche Indifferenz stoßen dürfte.

Die Opfer des kapitalistischen Normalvollzugs

Wie immer ist das Problem hausgemacht. Die neue Stärke der extremen Rechten in Europa ist auch ein Ergebnis der derzeitigen Krise und illustriert zugleich das Elend aller bürgerlichen Politik. Längst hat die Krise auch die Lebenswelten Österreichs und Deutschlands erreicht und das neoliberale Glücksversprechen auf Teilhabe durch mehr Leistung und Wettbewerb demoliert. Erneut setzten daher in den letzten Jahren große Teile der (nicht nur bürgerlichen) Linken auf Sozialstaatsnostalgie und Regulationsillusionen und erhofften deren Durchsetzung auf europäischer Ebene. Genau das Gegenteil ist eingetreten: Indem die Regierungen der reichen EU-Länder, darunter Deutschland und Österreich, viel Geld in die Hand nahmen, konnten sie die eigenen Wirtschaften vorübergehend vor dem Zusammenbruch bewahren. Zugleich setzten sie im Süden Europas einen brutalen Sparkurs durch, den sie zusammen mit den jeweiligen nationalen Oberschichten organisieren. Ein geeintes Europa bleibt jedoch für die exportstarken Nationen wie Deutschland und Österreich die Voraussetzung des eigenen wirtschaftlichen Wohlergehens. Da die Wettbewerbslogik des Kapitalismus den einzelnen Ländern nur wenig Spielraum lässt, sind die Politiker*innen aller Staaten und politischen Lager im Kampf um Anhängerschaft gezwungen, mittels nationaler Stimmungsmache und Ressentiments die eigene staatliche Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Die Folge ist ein widersprüchlicher Mix aus Ermächtigungsphantasien und Sachzwangargumenten, aus Nationalismen und Europatriotismus, der seit längerem die öffentlichen Debatten in Europa beherrscht. Es ist dieses Hintergrundrauschen des Nationalen, vor dem der populistische Angriff von Rechts auf über ein Fünfel aller Wähler*innenstimmen bei der Europawahl im Mai 2014 hoffen darf. Die von den rechten Parteien propagierte Rückkehr zum früheren Zustand der europäischen Staaten mit ihren einstigen nationalen Währungen, einem Europa der Restauration, ist für viele Wähler*innen zu einer erwägenswerten politischen Option geworden, auch wenn sie die Ohnmacht angesichts eines unbeherrschbaren globalen Kapitalismus nicht wird aufheben können. Dass sich die Bewohner*innen der europäischen Nationalstaaten in ihrer Klassenzugehörigkeit begegnen und so vielleicht ein gemeinsames, Grenzen überschreitendes, gar antikapitalistisches Interesse entdecken, wird allerdings unwahrscheinlicher, umso lauter die nationalen Töne werden.

Während die meisten, vor allem hiesigen Wähler*innen, im Wesentlichen eine ideelle Befriedigung aus dem »deutschsprechenden Europa« ziehen dürften, profitieren vorrangig Parteien wie die FPÖ, die Alternative für Deutschland oder der Front National von der Verunsicherung. Das Geschäft mit der Angst läuft blendend, und so treiben sie das Projekt einer hierarchischen und entsolidarisierten Gesellschaft voran, innerhalb wie außerhalb der Parlamente. Indem sie den Mittelschichtsspießer zur Essenz von Volk und Nation verklären, gleichzeitig aber den Untergang des Abendlandes an die Wand malen, bringen sie sich erfolgreich als aggressive Verteidiger der weiß-europäischen Mehrheitsgesellschaft in Stellung, als authentische Bewahrer von Nation, Familie und westlicher Leitkultur. Da sie die Krise des Kapitalismus nicht lösen können, verschieben sie das Problem auf den Nationen- und Kulturkampf. Nicht zufällig machen sie überall Feinde der männlich »abendländischen Lebensweise« aus, von der »Emanze« bis zum »Islam«, die angeblich die Leistungskraft der westlichen Gesellschaften untergraben. Ihr Programm ist das einer autoritär organisierten, kulturell zwangshomogenisierten Gesellschaft. Mehr noch, in den abgehalfterten Regimen von einst entdecken sie politische Gestaltungsvorschläge für das 21. Jahrhundert. Es sind diese sehr gegenwärtigen Konjunkturen reaktionärer Politikvorstellungen, die die Teilnehmer*innen auf dem WKR-Ball in den Kostümen von vorgestern ein Glanz-und-Gloria-Spektakel aufführen lässt. Die Werte einer längst untergegangenen und daher umso heroischer schillernden Epoche – Härte, Ehre, Stehvermögen – sind ihnen alles, das gemeinsame gute Leben jedoch nichts. So zerschlagen sich die Korporierten untereinander mit den Gesichtern zugleich die Individualität. Und da die christlichen Werte, die sie im Munde führen, spätestens im Wienerwald enden, gerät ihnen noch jeder Tote im Mittelmeer zur Bestätigung der eigenen Durchsetzungskraft und Herrlichkeit.

Männlichkeit as usual

Die selbsternannten rechten Eliten, die sich auf dem WKR-Ball abfeiern, haben kein Problem damit, dass der Kapitalismus für den überwiegenden Teil der Menschen die Hölle auf Erden ist. Im Gegenteil: Sie sind die erbarmungslosen Kolleginnen und Vorgesetzten, die neoliberalen Einpeitscher und knallharten Rationalisiererinnen. Doch auch Herrenmenschen wollen ab und an einmal als ganze Menschen anerkannt werden. Dazu halten sich die »Feschisten« ans Bewährte: die bürgerliche Kleinfamilie. Liebe, Tränen, Wut und was da noch bei den Herren an Sentiments ist, verbleibt im abgezirkelten Kreis der Liebsten. Sie verschanzen sich in der gesellschaftsabgewandten Gemeinschaftlichkeit romantischer Zweierbeziehungen, wo sie Erholung vom kapitalistischen Rattenrennen finden. Was unter den Bedingungen beständig zunehmenden Leistungs- und Optimierungsdrucks oftmals der letzte noch lebenswerte Zufluchtsort ist, bietet ihnen vor allem die Möglichkeit, den im täglichen Kampf lädierten Körperpanzer wiederherzustellen, um dann im Alltag – business as usal – nur noch härter zuzulangen. Diese jeden Tag aufs Neue gelebte Teilung der Welt in Öffentlich und Privat folgt dabei, wen wunderts, weiter den traditionellen Geschlechterrollen. Sie als naturgegeben darzustellen wird – ironisch genug – selbst zum politischen Projekt der extrem Rechten. Kein Wunder, dass die FPÖ offen den Schulterschluss mit Vaterrechtlern und »Maskulinisten« sucht. Für die WKR-Ball-Besucher sind Frauen daher trotz Galanterie und Türaufhalten keine eigenständigen Subjekte, sondern zuallererst Unterstützungsanhängsel und Verfügungsmasse der Männer. Wenn es nicht gerade darum geht, jene zusammen mit anderen Männern wahlweise gegen »den Islam« oder »den Feminismus« zu verteidigen, dann darum, ihnen den gesellschaftlichen, sprich: den häuslichen Platz zuzuweisen und sie aus Representationsgründen ab und an im Ballkleid und zu Wiener Walzer durch einen Festsaal zu schieben. Dass der WKR-Ball dieses überkommene Verhältnis von Männern und Frauen als glamouröses und nachahmenswertes Modell ausstellt, macht ihn auch auf dieser Ebene zu einer ideologischen Angelegenheit. Auch deswegen, weil gerade die Zurschaustellung des Heteroidylls erahnen lässt, dass die dynamisierten Geschlechterordnungen im neoliberalen Kapitalismus längst das konservative und rechte Milieu erfasst haben. Wenn auch die gewaltförmige Durchsetzung der rechten Familienideologie systematisch und ganz real zu Lasten der großen Mehrheit der Frauen geht, an der Verklärung der Geschlechterverhältnisse sind sie im rechten Milieu meist ganz gleichberechtigt beteiligt. Das Abfeiern von traditionellen Rollenbildern und die Hetze gegen alles Abweichende ist dort mitnichten exklusiv »männlichen Charakters«, wie nicht nur die dem Wiener Korporationsring nahestehende Wiener akademische Mädelschaft »Freya« zeigt. Auf Mensur immerhin wird verzichtet, um die hübschen Gesichter zu schonen, doch hinter der unversehrten Fassade herrscht die gleiche trübe Grausamkeit.

Die unheimliche Rückkehr des kleinen Glücks

Die so einfallslos wie leidenschaftlich betriebene Einrichtung des eigenen Lebens in der Kleinfamilie ist kein Privileg einer obskuren und rückwärtsgewandten Minderheit. Vielmehr scheint in der gegenwärtigen Krise der geschützte Innenraum der Paarbeziehung vielen zunehmend als einzig möglicher Verwirklichungsraum individuellen Glücks. An die Stelle sozialliberaler Autonomievorstellungen und neoliberaler Selbstverwirklichungsphantasien tritt seit ein paar Jahren, kaum sind deren materiellen Grundlagen in der Krise auch bei den Besserverdienenden in Westeuropa bedroht, erneut der geschützte familiäre Innenraum – auch wenn der von außen eher an einen Panic Room erinnert. Die Erwerbsarbeit von Frauen hat sich in den letzten zwanzig Jahren zwar ausgeweitet. Ökonomische Gleichheit und soziale Anerkennung hat sich für den überwiegenden Teil der Frauen gleichwohl nicht eingestellt. Während die unmittelbaren staatlichen Krisenbewältigungsmaßnahmen von der Bankenentschuldung bis zur Abwrackprämie vor allem männlich-dominierte Wirtschaftsbereiche stabilisiert haben, ist Vollzeitbeschäftigung von Frauen rückläufig. Ein beträchtlicher Teil der weiblicher Lohnarbeit findet in deregulierten und prekären Beschäftigungsverhältnissen statt. Der Abbau und der Ausverkauf sozialstaatlicher Einrichtungen verschärft die doppelte Ausbeutung der Frau durch geringer bezahlte Lohn- und unbezahlte Sorgearbeit. Aus der noch vor Kurzem herbeigeschriebenen »Krise der (Ernährer-)Männlichkeit« ist andererseits der so bärtige wie zupackende Hipstermann – flankiert von »Männerrechlern« auf der rechten und dem »Neuen Mann« auf der linken Seite – ziemlich unversehrt hervorgegangen. So kann das alte gesellschaftliche Leitbild zum Neuen avancieren.

Bürgerlichkeit als Privileg

Bei der Aufrechterhaltung der Geschlechterordnung geht es immer auch um die Sicherung von verschränkten Geschlechts- und Klassenprivilegien. Ihnen gilt die familiäre Mobilmachung. Denn auch die bürgerliche Kleinfamilie hat ihren Preis, will sagen, man muss sie sich erstmal leisten können, wenn beide arbeiten wollen bzw. immer häufiger müssen. Meist geschieht das auf Kosten anderer, etwa den Millionen von weiblichen Putz- und Pflegekräften aus Osteuropa und Asien, deren Elend ebensowenig wie die eigenen Privilegien in der Selbsterzählung der Konservativen einen Platz hat. Das Bekenntnis zur Bürgerlichkeit gerät so vor allem zur Rechtfertigung des jetzigen Zustands, an dem auch der Staat ein Interesse hat – anstatt etwa die private Reproduktionsarbeit zusammen mit der Gesellschaftlichen radikal umzuverteilen. Verwunderlich ist all das in Zeiten des permanenten Geredes über die Krise nicht, auch nicht angesichts der materiellen Vorzüge, die eine weiße Mittelschichtsfamilienexistenz so mit sich bringt. Frappierend ist aber die breite und selbstverständliche Akzeptanz ihrer ideologischen Rechtfertigung. Selbst wenn sich die Familienidyllen der alten wie der neuen Bürgerlichkeit mitunter schnell in einen patriarchalen Albtraum verwandeln – nicht nur im Berliner Prenzlauer Berg steigen die Scheidungszahlen und sind die Frauenhäuser voll –, kann das der allgegenwärtigen Sehnsucht nach Privatheit und family value, die von der extremen Rechten bis zu den Alternativos alle eint, offenbar nichts anhaben. Begleitet vom Trommelfeuer der Kulturindustrie wird das Leitbild des Neobiedermeier erfolgreich in Lebenswelt und Alltagsverstand verankert und greift längst auch auf abweichende Lebensweisen und Beziehungsmodelle über. Es kittet so die Brüche und Widersprüche der realen Existenzbedingungen (nicht nur) in krisenhaften Zeiten. Dass Faschisten meist nicht die Grünen wählen, und die Ökos selten die FPÖ, ist bei der sie einenden Logik von harmonischem Innen und bedrohlichem Außen keine Nebensache, zeigt aber deutlich, wie weit sich der gesellschaftliche Konsens im politischen wie im privaten Bereich zugunsten von konservativ-repressiven und autoritär-rechtspopulistischen Ordnungsvorstellungen verschoben hat. – Höchste Zeit, eben diesen eine deutliche Absage zu erteilen.

Nichts Reaktionäres fällt, wenn es nicht gestoßen wird

Am Freitag, den 24. Januar 2014 feiern und verbrüdern sich in der Wiener Hofburg unter dem selbstverliehenen Ehrentitel »gesellschaftlicher Leistungsträger« diejenigen, deren soziales Prestige und ökonomischer Reichtum auf Ausgrenzung und Unterdrückung, auf Chauvinismus, Rassismus und Sexismus gründet. Sie sehen sich als Elite und rechte Avantgarde Österreichs und Europas. Ehrverletzungen tragen sie untereinander noch immer am Liebsten mit der Waffe aus und sähen gern die ganze Gesellschaft unter ihrer Knute. Als Lösung der gegenwärtigen Krise haben sie vor allem parat: Zusammenrücken, den engen Gürtel, die harte Hand und die weitere Spaltung der Gesellschaft in oben und unten. Der WKR-Ball ist daher der perfekte Anlass, den reaktionären Krisenlösungen ein Beinchen zu stellen und den sauberen Herren und Damen wie den feschen Burschen und Madeln den Spaß zu verderben.
Wir sagen: WKR? WTF! Erteilen wir – gemeinsam und über alle Grenzen hinweg – auf den Straßen und Plätzen Wiens, rechten Ideologien und ihren politischen und kulturellen Vertreter*innen eine klare Absage. Der WKR-Ball ist nicht einfach nur Ausdruck einer unappetitlichen Gesinnung und Kultur, sondern Teil einer reaktionären, rechten Offensive angesichts der Krise. Das Gerede der rechten Eliten von Nation, Werten, Abendland, Alternativlosigkeit und Tradition verdeckt, dass es bessere Formen des gesellschaftlichen Lebens gibt. Um die lohnt es sich in der derzeitigen Krise zu kämpfen. Gewinnen und verteidigen kann man sie allerdings nur gegen Nation und Patriachat, Staat und Kapital. Der Kampf gegen die Reaktion ist daher immer auch der Kampf um das gute Leben für alle: Der solidarischen und freien Organisation unseres Zusammenlebens, jenseits von Ausgrenzung durch Klassengrenzen und Rassismus, jenseits von Zurichtung und Disziplinierung durch Geschlechterordnung und Sozialchauvinismus, jenseits der Zumutungen und Verwertungszwänge des Kapitalismus.

Ob Leistung, Abendland, Nation, Volk, Familie oder sonst ein Unsinn – spuckt den neuen und alten Rechten am 24. Januar 2014 ins Glas. Die letzte (und beste!) Party feierns wir. Die einzige Krisenlösung heißt Kommunimus!

Demonstration
Freitag, 24. Januar 2014
17 Uhr, Landstraße, Wien Mitte
Antinationaler Workshoptag
Samstag, 25. Januar 2014
12 Uhr, Wien (Genauer Ort TBA)

Bussen fahren u.a. aus Berlin, Bremen, Frankfurt, Göttingen, Köln und Leipzig.“