Solidarität mit Kobane!

In Kobane ist die Lage katastrophal! Trotzdem kämpfen die Genoss_innen der YPG/YPJ weiter. Dabei sind sie den Kämpfern des IS Waffentechnisch unterlegen. Deswegen rufen wir euch auf zu spenden!

Weitere Infos zur Lage in Kurdistan findet ihr bei Perspektive Kurdistan
Weitere Infos zur Spendenkampgne findet ihr hier
Spendenkonto:
Empfänger: MD
Stichwort „Rojava“
NR: 506155858
BLZ: 76010085
IBAN: DE98 5005 0201 1243 1674 49
BIC: HELADEF1822

weitere Informationen gibt es unter
kontakt@nao-prozeß.de
arab@riseup.de

Im Anschluss dokumentieren wir einen Text des YXK (Dachverband der Studierenden aus Kurdistan in Europa):

Verteidigt Kobanê und die Revolution in Rojava!

Es findet ein Massaker statt und die Welt schaut weg – oder verzerrt den Blick

Seit dem 15. September 2014 hält der Islamische Staat (IS) – ehemals ISIS – Kobanê, einen der drei Kantone der autonomen Verwaltung in Rojava (Westkurdistan/ Nordsyrien) an der Grenze zur Türkei, unter schwerem Beschuss. Mehrere tausend ZivilistInnen sind vor dem Terror des IS in umliegende Regionen – so auch nach Nordkurdistan (Osttürkei) – geflüchtet.

Der IS verfügt über amerikanische und deutsche Waffen; schwere Geschütze, Panzer und Humvees. Mit diesen bombardiert er seit Wochen die Stadt Kobanê. Wir erinnern uns: Wenige Wochen nachdem der IS die Stadt Mossul eingenommen hatte, eroberte er die Stadt

Şengal, das Hauptsiedlungsgebiet der ÊzîdInnen. Zehntausende ChristInnen und ÊzîdInnen mussten auf die Angriffe ab dem 3. August hin fliehen – tausende massakrierte der IS noch auf der Flucht. Seit dem 15.09.2015 ist er in Kobanê angekommen und möchte Schlimmeres anrichten, das hat er versprochen.

Bis jetzt haben die KämpferInnen und die zivile Bevölkerung sehr tapfer gekämpft. Um den IS vollständig zurückzudrängen, genügen wenige Maßnahmen des Westens und vor allem der Türkei.

Welche Maßnahmen sollten der Westen und die Türkei ergreifen?

Die KurdInnen in Rojava/ Kobanê haben mehrfach erklärt, dass ihnen die kleinste Unterstützung ausreicht, um den IS zu stoppen. „Wir brauchen gute, schwere Waffen. Der IS hat Panzer und schwere Geschütze.“ erklärt Salih Muslim im Morgenmagazin der ARD. Außerdem muss die Türkei ihre Grenze für kurdische KämpferInnen öffnen. Was machen sie und der Westen stattdessen?

Zur Türkei: In der Türkei tobt gerade ein Bürgerkrieg, weite Teile des Landes – von Istanbul bis Diyarbakir – stehen in Flammen. Die Wut sowohl der KurdInnen als auch solidarischer Teile der restlichen Bevölkerung entlädt sich dort. Denn statt eine Lösung zu kommunizieren, greift der türkische Staat mit Sicherheitskräften und maskierten Agenten Demonstrierende an und ermordet dabei mindestens 21 Personen (Stand 8. Oktober 2014). Die türkische Regierung zeigt den KurdInnen wieder ihre hässlichste Fratze. Sie stellt Panzer und Soldaten an die Grenze, um dort die Menschen, die sich mit Kobanê solidarisieren, anzugreifen; gleichzeitig gewährt sie IS-Kämpfern freie Grenzübertritte unter Aufsicht türkischer Soldaten. Sie behandelt die IS-Kämpfer in ihren Krankenhäusern und leistet seit langem logistische, militärische Hilfe für den IS.

Was macht der Westen daraus? Der Westen macht daraus bald den Fall von Artikel 5 des NATO-Vertrages, also den Bündnisfall, danach sieht es gerade aus und darauf wartet auch die Türkei. Das perfide an dem ganzen Spiel ist aber die Art und Weise und womit die Türkei in der Politik kritisiert wird. Die Türkei wird dafür kritisiert, dass sie nicht mit Bodentruppen in Kobanê eingreift. Aber das wollte die Türkei doch sowieso, sie wollte doch eine Pufferzone einrichten – also Rojava besetzen? Ja, sie wartet, sieht zu und wartet, wie ein Geier. Sie wartet darauf, dass in Kobanê das Massaker des IS beginnt. Dann wird die Türkei mit ihren NATO-Partnern einschreiten und sich am Ende als Retterin in der Not feiern lassen. Erdogan sagt schon seit Tagen „Kobanê ist gefallen“, „Kobanê wird fallen“ und Ahmet Davutoglu vergleicht derweil die KämpferInnen der Volksverteidigungseinheiten (YPG) mit dem IS. Sowohl die türkische als auch die westliche Politik versuchen hier eine andere Realität zu schaffen, um letztlich doch die Interessen der Türkei – die glasklar gegen die KurdInnen gerichtet sind und nicht gegen den IS als willkommenes Instrument – durchzusetzen.

Leider springen die deutschen Medien vollständig auf diesen Zug auf und setzen gerade die Politik der Türkei und des Westens um, indem sie nicht den KurdInnen selbst, sondern allen anderen zuhören.

KurdInnen fordern Korridor von Türkei und keine Bodentruppen!

Salih Muslim, der Kovorsitzende der kurdischen Partei der Demokratischen Einheit (PYD) in Rojava forderte in einem Zeitungsinterview die Türkei zur Einrichtung eines Korridors auf, damit die KämpferInnen in Kobanê über türkisches Territorium mit Waffen versorgt werden könnten. Bei Gesprächen in Ankara sei ihm solch ein Korridor zugesichert worden. Nach Ansicht des kurdischen Aktivisten Shivan Khabouri trägt die Türkei eine besondere Verantwortung: „Die Türkei hat von Beginn an eine sehr negative Rolle gespielt. Sie ist die Hauptursache dafür, dass die Terrormiliz so stark werden konnte. Sie hatte ihre Grenzen für die Terroristen geöffnet und erleichterte es ihnen damit, sich Waffen und Militärfahrzeuge zu beschaffen. Diese Waffen sind die Ursache der Tragödie, die wir jetzt in Kobanê erleben.“

Hinweis: Salih Muslim wurde während seiner Ansprache falsch übersetzt; das Video ist plötzlich nicht mehr in der ARD-Mediathek verfügbar, obwohl die anderen Beiträge bis Mitte Juli zurückgehen. Muslim hat keine Bodentruppen gefordert (s. civaka-azad.org, 08.10.14).

Rojava und Kobanê – Hintergrundinfos kurz gefasst

Während in Syrien der Bürgerkrieg wütete, begann in Rojava (Westkurdistan/ Nordsyrien) die demokratische Revolution. Diese Revolution wird von Anfang an von der Bevölkerung Rojavas, bestehend aus AssyrerInnen, AraberInnen, AramäerInnen , KurdInnen und weiteren ethnischen und religiösen Gruppen, getragen. Aus ihr sind auch die Volksverteidgungseinheiten (YPG) und Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) entstanden.

Die autonom verwaltete Region Rojava hat Anfang 2014 eine eigene Verfassung erhalten, sie wird basisdemokratisch und antikapitalistisch verwaltet. In allen Bereichen des entstandenen Gemeinwesens organisieren sich Frauen autonom, sodass sie gleichberechtigt an der sogenannten Demokratischen Autonomie teilhaben.Rojava stellt als demokratischer und fortschrittlicher Aufbruch einen Lichtblick in der von Krieg zerrissenen Region dar, weshalb ihm unsere Solidarität gilt!

Die Aufhebung des PKK-Verbots

Das PKK-Verbot kriminalisiert und stigmatisiert die politische Arbeit der kurdischen AktivistInnen seit 1993 und lässt keinen Raum für demokratische Prozesse. Genauso werden auch fortschrittliche, linke AktivistInnen mit den Pragraphen §129a, §129b StGB unter Verdacht gestellt und ebenso kriminalisiert.

Heute ist dieses Verbot vor allem ein Hindernis und ein vorprogrammierter Widerspruch zu einer möglichen Anerkennung der Selbstverwaltung in Rojava – sowohl politisch als auch gesellschaftlich.

Die Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) rief die Bevölkerung am 06.10.2014 auf, die Ausganssperre in Nordkurdistan nicht anzuerkennen und den Widerstand zu verstärken:

„Unsere Bevölkerung muss ihren gerechten und legitimen Widerstand mit Entschlossenheit fortführen. ‚Überall ist Kobanê, überall ist Widerstand!‘ – mit diesem Verständnis muss der Widerstand bis zum Sieg geführt werden“, so die KCK.

Aufgerufen sind Alle, die Errungenschaften der kurdischen Revolution zu verteidigen. Denn vernichtet werden soll eine Perspektive, die nicht nur in Kurdistan die Menschen begeistert, – das gesellschaftliche Modell einer demokratischen autonomen Selbstverwaltung hat längst alle Grenzen Kurdistans überwunden. Halt stand, Kobanê!

Angesichts dieser Situation ist die Unterstützung für Rojava und die Entwicklung politischer Beziehungen zur kurdischen Freiheitsbewegung sehr wichtig für die internationale Linke – so wie in den 1930er Jahre die Solidarität mit der spanischen Linken im Kampf gegen den Faschismus wichtig war.