Archiv für Januar 2013

Volksgemeinschaft und Vernichtungswahn – Zur Innenansicht deutscher TäterInnen

Café Mano Negra, Café Résistance & Geschichtswerkstatt Regionale Täterforschung laden ein:

„Volksgemeinschaft und Vernichtungswahn – Zur Innenansicht deutscher TäterInnen“

Mittwoch, den 30. Januar um 19 Uhr
Universität Osnabrück, Raum 22/108 (Heger-Tor-Wall 14)

Vor 80 Jahren wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Die Choreografie der soge­nannten Machtübernahme der NSDAP von der Aushebelung der Weimarer Demokratie bis zum Ausbau des auf Krieg und Vernichtungsprogramm ausgerichteten „Dritten Reiches“ ist seit langem erforscht. Wird jedoch – wie gemeinhin üblich – aus den Daten und Fakten abgeleitet, der 30. Januar sei die Initialzündung zur rücksichtslosen Machtergreifung Hitlers und der Errichtung der brutalen Diktatur einer machtversessenen Clique über das „deutsche Volk“, mithin „Deutschlands Schick­salstag“ (NOZ, 7.1.2013) gewesen, so unterschlägt dies, dass allein aus dem Machtstreben Hitlers und seiner Partei heraus sich kaum dessen Erfolg erklären lässt. Solche Verklärungen ebenso wie die in Teilen der Linken beliebte These, der Faschis­mus sei die „offene terroristische Diktatur […] des Finanzkapitals“ (G. Dimitrow), müssen konsequent ausklammern, dass es nicht nur keine nennenswerte Gegenwehr gegen die Errichtung der NS-Herrschaft gab, sondern im Gegenteil Hitlers Ziele enormen Rückhalt in der Bevölkerung fanden und weder Krieg noch Mas­senvernichtung ohne die tatkräftige Zustimmung der erschlagen­den Mehrheit möglich gewesen wären. Und so drückt sich auch in jener revisionistischen Formulierung der Neuen Osnabrücker Zeitung, die Deutschland als das eigentliche Opfer suggeriert, doch bewusstlos aus, dass der 30. Januar 1933 symbolisch für den freiwilligen Zusammenschluss der Massen zur deutschen Schicksals- und Volksgemeinschaft steht.
Warum aber haben sich die Einzelnen unter Parteiherrschaft und Führer zusammengerottet? Warum wollten sie im Kollektiv aufge­hen und haben sie gemeinschaftlich das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, den Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden und anderen als „Untermenschen“ Identifi­zierten begangen?

Diesen Fragen will der Vortrag – nach einer Rekapitulation der historischen Ereignisse – unter Rückgriff auf zentrale Er­kenntnisse der Kritischen Theorie sowie mittels einer materialistischen Re-Lektüre der Freudschen Analysen zur Massen­psychologie nachgehen. Es soll der Zusammenhang aufgewiesen werden zwischen dem notwendigen Scheitern bürgerli­cher Subjektivität einserseits, die von den Einzelnen als narzisstische Kränkung erfahren wird, sowie andererseits seiner Kompensation in den autoritären, über den Führer zusammengehaltenen Massenbewegungen und deren wahnhaftem Drang zur Vernichtung der Juden. Diese hatten und haben als die Anderen zu büßen für die Gewalt, die sich die Subjekte schon immer antun mussten, um in einer verkehrten, auf strukturellem Zwang basierenden Gesellschaft bestehen zu kön­nen.

Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen – Kontext, Dimensionen und Folgen der rassistischen Gewalt

August 1992: Drei Tage und Nächte attackieren Neonazis im Schulterschluss mit sympathisierenden Bürgerinnen und Bürgern das Flüchtlingheim im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen. Nachdem die Polizei vor dem rassistischen Mob kapituliert und sich zurückzieht, steht das so genannte Sonnenblumenhaus in Flammen. Die über hundert darin eingeschlossenen Menschen können sich auf das Dach retten und entgehen nur knapp dem Flammentod.

Die kollektive Gewalt von Rostock-Lichtenhagen war kein Einzelfall, sondern markiert den Höhepunkt einer Pogrom- und Gewaltwelle, die im Herbst 1991 in Hoyerswerda ihren Anfang nahm und sich in allen Teilen des wiedervereinigten Deutschland zu einem rechten Flächenbrand ausweitete. Der Vortrag stellt das Rostocker Pogrom in den politisch-historischen Kontext zwischen aufgeheizter Asyldebatte und rassistischen Übergriffen zu Beginn der 1990er Jahre, setzt sich kritisch mit den Folgen und der Aufarbeitung der Ereignisse auseinander und fragt nach der Bedeutung des Geschehenen für die Gegenwart.

Vortrag und Diskussion mit Roman Guski, M.A., Politikwissenschaftler und Mitautor einer Studie des Instituts für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock (2012) zur rassistischen Gewalt von Rostock-Lichtenhagen. Zuletzt ist von ihm erschienen: „Das Wort Pogrom kannte ich nur aus Geschichtsbüchern“ – Nachwendepogrome im vereinten Deutschland, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, 16. Jg., 2012, H. 2, S. 26-35.

28.1.2013, 20:00 Uhr | Universität Osnabrück, Neuer Graben/Schloss, Raum 11/213

Achtung!

Die NPD wird am Freitag, dem 11. Januar, zwischen 10 und 13 Uhr eine Kundgebung auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs in Osnabrück abhalten. Wir rufen dazu auf, diese zu verhindern und nicht zuzulassen, dass die Nazis dort ungestört hetzen können!
Anlaufpunkt der Rechten wird laut der NOZ ein Infostand vor dem nördlichen Bahnhofsflügel sein. Treten wir ihnen dort kreativ und entschlossen entgegen!

NPD-Kundgebung in Osnabrück

Laut einer Ankündigung der Internetseite der NPD-Niedersachen will diese im Januar eine Wahlkampftour durch das Bundesland fahren, um ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Anlaufpunkt ist neben Hannover, Wolfsburg, Oldenburg und anderen Städten auch Osnabrück.
Ähnlich wie im Juli 2012 werden die Nazis mit ihrem sogenannten „Flaggschiff“ (einem mit Propaganda behängtem LKW) unterwegs sein, was es zu verhindern gilt.
Leider ist uns noch nicht bekannt, wann und wo die NPD in Osnabrück sein wird. Wir hoffen, dass wir die genauen Infos rechtzeitig verbreiten können, um es dem braunen Mob in Osnabrück wieder so schwer wie möglich zu machen.

Checkt hierzu den Twitteraccount der AAOS

NPD „Flaggschiff“ versenken!