Brandanschlag in Hopsten: Urteil

Das Amsgericht Ibbenbüren fällte am Montag, den 19.11.2012, das Urteil im Prozess um den Hopstener Brandanschlag. Drei der jugendlichen Täter (16, 18 und 21 Jahre alt), welche in der Nacht vom 13. auf den 14. April 2012 einen Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus in Hopsten verübten, wurden zu 140 Sozialstunden verurteilt. Einem 22- jähriger Hopstener wurden eine 9-monatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung und 100 Sozialstunden auferlegt. Weiterhin wurden zwei 17- und 16-jährige Mitwisser zur Ableistung von Sozialstunden verurteilt. Außerdem erhielten alle Angeklagten die Auflage, an einem „Anti-Gewalt-Training“, sowie an einem sog. „Täter-Opfer-Ausgleich“ teilzunehmen, sofern die betroffene Familie dies will.

Kein rassistischer Hintergrund?

Das Amtsgericht schloss eine politische Motivation des Brandanschlags aus. Es gab sich mit den Aussagen der Täter zufrieden, dass einer der in dem Haus wohnenden Menschen einmal einen Bekannten von ihnen zusammengeschlagen habe, sie sich revanchieren wollten und aus Langeweile Lust bekamen, „Scheiße zu bauen“. Auf diesen namentlich nicht genannten Bekannten wurde vonseiten des Gerichts nicht näher eingegangen, auch nicht, welcher Hausbewohner dies getan habe. Der Richter schloss daraus, dass es sich bei dem Brandanschlag um eine Art Racheakt auf persönlicher Ebene handle. Auch die, laut Polizei von einem der Täter getätigte Aussage, „in einem Dorf wie Hopsten hätten Ausländer nichts zu suchen“ beschäftigte das Gericht anscheinend nicht. Außerdem wurden im Prozess lediglich die Angeklagten befragt. Die betroffene migrantische Familie wurde nicht einmal geladen. Die Staatsanwaltschaft ging konform mit einer Sozialarbeiterin, welche den Tätern rechtsradikale Gesinnung verneinte und ihnen „reumütiges Verhalten“ und eine „günstige Sozialprognose“ bescheinigte.

Keine Aufklärung der Motivation

Das Gericht versuchte also kaum bis gar nicht, die Motivation, die zu der Tat führte, zu klären, bzw. relativierte diese als eine Art „Jugendsünde“. Selbst wenn es stimmt, dass ein Bekannter der Täter eine Auseinandersetzung mit einem der Hausbewohner hatte, bleibt die Frage offen, warum diese als Rache ein Wohnhaus anzünden, in dem mehrere Menschen wohnen?
Der Richter war jedoch der Meinung, dass es jede Familie hätte treffen können. Er war weiterhin verwundert, dass Menschen mit Migrationshintergrund „so wohnen“, wie auf einem Foto des Hauses in seinen Augen zu erkennen (Zitat: „Man stellt sich ja vor, wie die so wohnen. Aber dass scheint ja ein ganz normales Haus zu sein“).

Betrachtung des Urteils

Das im Verhältnis gesehen sehr milde Urteil muss kritisch betrachtet werden. Es liegt nicht in unserem Interesse, den bürgerlichen Staat und seine Justiz als positiv oder auch nur notwendig darzustellen. Allerdings zeichnet sich ein klares Bild ab, wenn Täter, welche durch einen Brandanschlag auf ein Wohnhaus das rassistisch motivierte Verletzen oder sogar Töten von Menschen zumindest billigend in Kauf nehmen, zu Sozialstunden verurteilt werden. Auf der anderen Seite werden Teilnehmer_innen von antifaschistischen Demonstrationen mit Verfahren überzogen und bekommen in Relation allzu oft härtere Strafen, wie jüngst in Nürnberg der Prozess gegen den Antifaschisten Deniz K. bewies. Er wurde für „versuchte Körperverletzung“ zu zweieinhalb Jahren Jugendknast verurteilt.


1 Antwort auf „Brandanschlag in Hopsten: Urteil“


  1. 1 Don’t stop moving – Rassismus bekämpfen, Nazistrukturen zerschlagen | Flüchtlingslager Bramsche Hesepe Pingback am 10. September 2013 um 11:29 Uhr
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