Keine Ruhe für Hoyerswerda

In Erinnerung an das rassistische Pogrom von 1991

Die Initiative “Pogrom 91” aus Hoyerswerda und die bundesweite Kampagne „Rassismus tötet“ haben für den 22.September eine antifaschistische Demonstration unter dem Motto „Keine Ruhe für Hoyerswerda“ angemeldet.

Im September 1991 griffen Neonazis unter Mithilfe und Applaus vieler Bürger_innen zwei Wohnheime von Vertragsarbeiter_innen und Asylsuchenden im sächsischen Hoyerswerda an. Mehrere hundert Menschen belagerten die Unterkünfte fünf Tage lang, bis die Stadt alle Heimbewohner_innen aus der Stadt deportierte. Rassistische Bürger_innen und aktive Neonazis feierten Hoyerswerda als erste „ausländerfreie“ Stadt.

“Rassismus tötet” und die Initiative “Pogrom 91” fordern, dass die Ereignisse von Hoyerswerda auch in der Stadt selbst als rassistisches Pogrom anerkannt werden. Bisher verweigert sich die Stadt Hoyerswerda konsequent die rassistischen Angriffe als Pogrom zu bezeichnen: auf Veranstaltungen zum 15. und 20. Jahrestag war auf zeitweise aufgestellten Gedenkstelen von “extremistischen Ausschreitungen” zu lesen. Diese Bezeichnung relativiert die Ereignisse und verschweigt die rassistischen Motive der Täter_innen.

Bei einer Gedenkdemonstration der Initiative “Pogrom 91” im vergangenen Jahr störte eine Gruppe gröhlender Neonazis eine Schweigeminute, die Polizei schritt nicht ein. Dafür zeigte sie sich umso entschlossener bei der Verfolgung von Antifaschist_Innen wegen vermeintlicher Vermummung: u.a. wurde ein Demonstrationsteilnehmer angezeigt, weil er sich seine Hand vor sein Gesicht gehalten hatte. Damit wollte er sich vor Nazis schützen, welche die Demonstrierenden abfotografierten. Mit der Demonstration in diesem Jahr soll auf die sächsischen Zustände aufmerksam gemacht und der Kriminalisierung von Antifaschist_innen entgegegetreten werden. Da die Stadt Hoyerswerda und das Land Sachsen mit Repression auf das Anliegen des Gedenkens setzten und die Mehrheitsgesellschaft in Hoyerswerda nach wie vor rassistisch ist, wird die Demonstration unter dem Motto „Keine Ruhe für Hoyerswerda“ stattfinden.

Die Forderungen der Initiative „Pogrom 91“ und der Kampagne „Rassismus tötet“ sind ein dauerhaftes Denkmal welches an das Pogrom erinnert sowie eine Entschädigung für die Betroffenen des rassistischen Pogroms von 1991.