Archiv für September 2012

Nazis die Räume nehmen – Keine Toleranz der Intoleranz

13.10.2012 um 13:00 Uhr Bahnhof Emsdetten

Seit einiger Zeit lassen sich im Raum Emsdetten vermehrte Naziaktivitäten feststellen. Vom massenhaften Auftreten von Nazistickern und Schmierereien bis hin zu gewaltsamen Übergriffen. Die rechte Szene versucht sich auch in Emsdetten zu organisieren und probiert gerade, Jugendliche für ihre menschenverachtende Ideologie zu gewinnen.
Immer wieder wurden vor Allem Jugendliche, in den letzten Monaten, Opfer von Naziattacken. Neben einem Angriff mit Pfefferspray organisierten einige Personen der rechten Szene eine Patrouille, durch die sie versuchten Andersdenkende massiv einzuschüchtern und Reviere für sich zu schaffen. Der Höhepunkt war eine Hetzjagd im Mai, bei der mehrere Faschisten aus Emsdetten und Rheine einen Hund auf eine Person hetzten.
Mehrmals drohten Nazis damit, auf antirassistischen Veranstaltungen zu erscheinen und diese aufzumischen. Im Juni traten ein Paar von ihnen auf einer Filmvorstellung auf, bei der eine Dokumentation gezeigt wurde, die Recherche-Ergebnisse aus der Rechtsrockszene veröffentlichte. In der anschließenden Fragerunde mit dem Regisseur versuchten sie, das Wort zu ergreifen und die Veranstaltung zu behindern. Dem werden wir ein Ende setzen!

Wir lassen uns von den Nazis weder einschüchtern noch stumm schalten. Wir sind entschlossen, das Naziproblem in unserer Stadt anzupacken und aus der Welt zu schaffen. Wir haben keine Lust, weitere Einschüchterungsversuche über uns ergehen zu lassen und den Nazis länger die Straßen zu überlassen. Wir werden mit unserer Kampagne: “Kein Platz für Nazis“ dem braunen Treiben offensiv entgegentreten und damit anfangen, den Nazis ihre Rückzugsräume zu nehmen. Dies werden wir mit unserer Demonstration: „Nazis die Räume nehmen“, am 13.10.2012 ab 13:00 Uhr am Bahnhof, gebührend in die Wege leiten…

Nehmt ihnen die Rückzugsorte!

Im Vorfeld des Kampagnenstartes haben wir bereits mit mehreren Gastronomen aus Emsdetten gesprochen, die sich nun dazu bereit erklären Anhänger der rechten Szene weder zu bedienen noch in ihren Räumlichkeiten zu dulden. Die engagierten Gaststätten, Kneipen, Restaurants… werden an dem Tag unserer Demonstration bekannt gegeben. Von diesem Tag an soll es den Nazis, maßgeblich im Emsdettener Nachtleben, deutlich schwerer fallen, Fuß zu fassen.

Wir brauchen eure Unterstützung!

Wir rufen alle Bürger/innen Emsdettens auf, sich an der Demonstration zu beteiligen und mit uns für eine vielfältige Welt ohne Grenzen einzustehen. Wir möchten alle Projekte, Vereine, Initiativen, Antifa-Gruppen, Gewerkschaften, Schülervertretungen, Parteien und Freiräume, die mit uns gemeinsam auf die Straße gehen wollen, einladen sich an der Vorbereitung und Durchführung zu beteiligen.

Lasst uns gemeinsam NaziFreieZonen schaffen, in der kein Mensch Angst haben muss, auf Grund seiner/ihrer Hautfarbe, Sexualität, Herkunft, Geschlecht… diskriminiert zu werden. Für eine freie Welt ohne Grenzen.

Keine Ruhe für Hoyerswerda

In Erinnerung an das rassistische Pogrom von 1991

Die Initiative “Pogrom 91” aus Hoyerswerda und die bundesweite Kampagne „Rassismus tötet“ haben für den 22.September eine antifaschistische Demonstration unter dem Motto „Keine Ruhe für Hoyerswerda“ angemeldet.

Im September 1991 griffen Neonazis unter Mithilfe und Applaus vieler Bürger_innen zwei Wohnheime von Vertragsarbeiter_innen und Asylsuchenden im sächsischen Hoyerswerda an. Mehrere hundert Menschen belagerten die Unterkünfte fünf Tage lang, bis die Stadt alle Heimbewohner_innen aus der Stadt deportierte. Rassistische Bürger_innen und aktive Neonazis feierten Hoyerswerda als erste „ausländerfreie“ Stadt.

“Rassismus tötet” und die Initiative “Pogrom 91” fordern, dass die Ereignisse von Hoyerswerda auch in der Stadt selbst als rassistisches Pogrom anerkannt werden. Bisher verweigert sich die Stadt Hoyerswerda konsequent die rassistischen Angriffe als Pogrom zu bezeichnen: auf Veranstaltungen zum 15. und 20. Jahrestag war auf zeitweise aufgestellten Gedenkstelen von “extremistischen Ausschreitungen” zu lesen. Diese Bezeichnung relativiert die Ereignisse und verschweigt die rassistischen Motive der Täter_innen.

Bei einer Gedenkdemonstration der Initiative “Pogrom 91” im vergangenen Jahr störte eine Gruppe gröhlender Neonazis eine Schweigeminute, die Polizei schritt nicht ein. Dafür zeigte sie sich umso entschlossener bei der Verfolgung von Antifaschist_Innen wegen vermeintlicher Vermummung: u.a. wurde ein Demonstrationsteilnehmer angezeigt, weil er sich seine Hand vor sein Gesicht gehalten hatte. Damit wollte er sich vor Nazis schützen, welche die Demonstrierenden abfotografierten. Mit der Demonstration in diesem Jahr soll auf die sächsischen Zustände aufmerksam gemacht und der Kriminalisierung von Antifaschist_innen entgegegetreten werden. Da die Stadt Hoyerswerda und das Land Sachsen mit Repression auf das Anliegen des Gedenkens setzten und die Mehrheitsgesellschaft in Hoyerswerda nach wie vor rassistisch ist, wird die Demonstration unter dem Motto „Keine Ruhe für Hoyerswerda“ stattfinden.

Die Forderungen der Initiative „Pogrom 91“ und der Kampagne „Rassismus tötet“ sind ein dauerhaftes Denkmal welches an das Pogrom erinnert sowie eine Entschädigung für die Betroffenen des rassistischen Pogroms von 1991.