Vortrag: Postnazismus 2012

Der 8. Mai 1945 markiert das Ende des Deutschen Nationalsozialismus als Staat, doch gibt es keinen Staat ohne Souverän, bzw. ohne Staatsvolk. Die jüngsten Skandale um die Nazi-Terrorgruppe NSU und verschiedenste Verfassungsschutz-Ämter haben mal wieder das Licht der Öffentlichkeit auf die Akteure des postnazistischen deutschen Staates geworfen. Nicht nur Verfassungsschutz, BND, Auswärtiges Amt, Bundeswehr und wer weiß was noch für Organe und Ämter des neuen Staates waren durchsetzt von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern.
Wie Nazis und Neonazis noch heute behaupten, war die junge BRD ein besetztes Land. Und genau diesen Besatzer_innen ist es zu verdanken, das all die Ex-Nazi-Bewegten nicht wieder ernst machten mit ihrem Traum von Deutschland unter dem Führer (wem auch immer dann). Das die NSDAP sich genau wie andere faschistische Parteien als Bewegung verstand und somit nicht nur politische Lufthoheit hatte, lässt das Demokratiebekenntnis junger BRD-Institutionen merkwürdig erscheinen.
Im Vortrag soll allgemein ein Eindruck über die Ex-NSDAPler im Dienste des jungen deutschen Staat gegeben werden; ausführlicher wird die so genannte Täter_innen-Rechtsprechung beleuchtet. Im dritten Teil versuchen wir, etwas unter die Oberfläche des aktuellen politischen Treibens zu blicken und etwa eine “Tendenz zur Despotie” vs. “Rückkehr der Demokraten” zu diskutieren. Im letzten Teil wollen wir versuchen, an Hand eigener und geliehener Thesen und Argumente Fragen für das politische und/oder private Handeln aufzuzeigen.
Ventôse

Vortrag im Café Résistance: Dienstag, 19. Juni ab 19 Uhr im SubstAnZ (Frankenstr. 25a, OS)