Archiv für April 2012

Kundgebung Hopsten: Keine Verharmlosung rassistischer Gewalt – Solidarität mit den Betroffenen

Am Samstag, den 21.04. ab 13 Uhr wird es eine Mahnwache auf dem Marktplatz in Hopsten geben. Das Motto lautet „Keine Verharmlosung rassistischer Gewalt – Solidarität mit den Betroffenen“. Anlass ist der Brandanschlag eine Woche zuvor.

Wir rufen zur aktiven Solidarisierung mit den Betroffenen auf – zum Beispiel durch die Teilnahme an der Kundgebung.

Keine Verharmlosung rassistischer Gewalt – Solidarität mit den Betroffenen!

In der Nacht vom 13. auf den 14. April 2012 verübten sechs Männer im Alter von 16 bis 22 Jahren einen Brandanschlag auf ein Haus in Hopsten. Dem schnellen und beherztem Eingreifen eines Zeugen ist es zu verdanken, dass die Bewohner_innen gewarnt und somit unverletzt gerettet werden konnten. Gegen die geständigen Tätern wir nun lediglich wegen “versuchter schwerer Brandstiftung” ermittelt – nicht wegen versuchtem Mord.

In den Vernehmungen der Täter sind laut Polizei und Staatsanwaltschaft Münster auch rassistische Motive für die Tat artikuliert worden. So sollen einige Täter ausgeführt haben, dass in einem Ort wie Hopsten Ausländer nichts zu suchen hätten. Selbst wenn weitere Beweggründe vorliegen, muss die rassistische Motivation der Täter in die Bewertung der Tat einfließen.

Wie kann es sein, dass sechs junge Männer nach einer derartigen Tat direkt auf freien Fuß gesetzt werden? Dass die Tat in ihrem Verlauf nur marginale körperliche Schäden verursacht hat, ist nicht den Tätern zu Gute zu schreiben. Ebenso schließen die geäußerten Motive auch die Möglichkeit einer Wiederholung nicht aus. Während sich die angegriffenen Menschen nun mit der psychischen Verarbeitung der existentiellen Bedrohungen ihres eigenen Lebens durch rassistische Gewalt konfrontiert sehen, dürfen die Täter wieder durch den Ort spazieren. Die unmittelbaren Konsequenzen tragen nur die Opfer der Tat.

Wir rufen die Hopstener Bevölkerung dazu auf sich aktiv mit den angegriffenen Menschen zu solidarisieren und ihnen bei einem selbstbestimmten Leben ohne Angst vor rassistischer Gewalt zu helfen – unabhängig davon wo sie herkommen oder wo sie leben möchten. Nach einer derartigen Tat kann es keine schnelle Rückkehr zur Normalität geben.

Keine Entpolitisierung rassistischer Taten – rassistische Motive müssen durch die ermittelnden Behörden berücksichtigt werden!

Rassismus benennen und auf allen Ebenen bekämpfen!

Brandanschläge – Tradition aus rassistischen Motiven

Seit 1990 fand im gerade vereinigten Deutschland ein rassistischer Flächenbrand statt. Neben den Pogromen in Hoyerswerda und Rostock gab es Hunderte von Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte und Wohnhäuser vermeintlicher Nicht-Deutscher. Rassistische und rechte Gewalt haben allein seit 1990 182 Todesopfer gefordert.

Auch im Kreis Steinfurt

Das Werfen von Brandsätzen auf Wohnhäuser hat bereits 1992 Erich Bosse im Nachbarort Hörstel das Leben gekostet. Hier haben bis heute unbekannte Täter eine Unterkunft für Asylbewerber_innen ebenfalls mit Brandsätzen beworfen und den schlafenden Erich Bosse hierbei ermordet. Die Täter von damals leben womöglich weiterhin unbehelligt ihrer Taten in der Region rund um Hörstel.

In Nordwalde warfen 2007 zwei junge Männer Brandsätze auf Containerwohnungen von Flüchtlingen. Ebenso wie in Hopsten, wollte die Staatsanwaltschaft Münster auch damals kein rassistisches Motiv erkennen. Auch die Containerunterbringung sollte nicht beendet werden, die Stadt Nordwalde bot der Familie Shala zunächst lediglich einen neuen Container an, in dem sie unter Angst leben.

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