Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht mit uns!

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Teaseraufruf des Bündnisses gegen Einheitsfeierlichkeiten & NRW-Tag 2011:

Vom 1. bis 3. Oktober feiern sich die deutsche Nation und das Bundesland NRW in Bonn. Drei Tage lang soll beim „Deutschlandfest“ Friede.Freude.Eierkuchen (das original Motto lautet: „Freiheit, Einheit, Freude“) zelebriert werden. Auf der „prächtigen Festparade“ „Freue Dich Deutschland!“ wird wieder mal, aber in zunehmend grotesker Form, die jährliche Inszenierung des Burgfriedens von Staat, Nation und Volk aufgeführt. Klar, bei dieser Reihe an schönen Veranstaltungen dürfen auch wir nicht fehlen, um unsere Meinung zu Deutschland lautstark zu formulieren. Wir stellen eins klar: Ihr könnt uns mal mit eurer Standortpolitik. Wir machen für Deutschland keinen Finger krumm!

Freude? – Don’t dance to this shit!

Die Einheitsfeier, so spannend Paraden, Bootstouren und ein gemeinsamer Freudentaumel auch sind, ändert nichts an der alltäglichen Ohnmacht – der Ohnmacht gegenüber den Mühlen von Staat und Kapital. Die Identifikation mit der Gemeinschaft, also dem nationalen ‘Wir’, ist jedoch nur ein ideologischer Fluchtreflex vor dem Druck kapitalistischer Konkurrenz und Vereinzelung, aber eben zugleich auch ursächlich mitverantwortlich für eben jene Ohnmacht. Egal, ob Deutschland „schwarz-rot-geil“ oder kulturell anspruchsvoll feiert; abgerechnet wird nach dem Event, wenn die großen Gefühle verraucht sind, und Vater Staat als Vertreter des Standortes seine Forderungen und Ansprüche stellt. Ansprüche, die von der, vermeintlich unabhängigen Bevölkerung klaglos akzeptiert werden (müssen). Der eventabhängige Partynationalismus, eine Garnitur aus Spaß, Freud, und Deutschland-Fähnchen, sollte daher nicht über den Gemütszustand „der Deutschen“ im Alltag täuschen. Dort regiert nicht „Schwarz-Rot-Geil“, sondern eher ein „hoffentlich bleiben wir verschont“ gepaart mit der aggressiven Angst, dass „uns“ etwas weggenommen oder vorenthalten wird. Genau in dieser Gefühlslage greifen die ideologischen Mechanismen, denn was den Menschen die Herzen öffnet, ist ihre Sehnsucht nach einer schützenden, solidarischen Gemeinschaft, in der die Nächsten nicht immer zugleich Konkurrent*innen und Neider*innen sind. Denn für diese Menschen verspricht alleine die Identifikation mit der Macht des Staates und seinen Symbolen, die immer wiederkehrenden Erfahrungen individueller Ohnmacht zu überwinden. Jene Ohnmacht von der im Kapitalismus niemand verschont bleibt.
Für uns steht fest: Die Feier der Nation ist ein Angriff auf das schöne Leben und die befreite Gesellschaft!

Etwas Besseres als die Nation! – A lot of things to do!

Unser Urteil lautet: „Germany – Zero Points!“ Deshalb rufen wir am Wochenende des nationalen Spektakels alle Individuen und Gruppen, die sich der emanzipatorischen Bewegung für das schöne Leben verschrieben haben, dazu auf, sich unserem Protest anzuschließen. Einem Protest gegen Staat und Nation, und anlässlich dieses Events sowie auch generell in ganz besonderer Weise gegen Deutschland. Denn die Kritik einer Linken, die ihr eigenes politisches Ziel – eine radikale Umwälzung der Verhältnisse – ernst nimmt, muss immer auch gegen die nationale Gesamtscheiße gehen.

Antifaschismus bedarf einer Kritik von Staat und Nation, denn völkische und reaktionäre Freaks radikalisieren nur die Ideologie kapitalistischer Schicksalsgemeinschaft: Die Aufopferung des Ichs für die Vormachtstellung der eigenen Bande, gnadenlos gegen den Rest der Welt.

Antirassismus bedarf einer Kritik von Staat und Nation, denn die staatliche Diskriminierung von Menschen nach Herkunft und Nützlichkeit folgt der Logik geordneter Standortkonkurrenz: Nationale Vorteile sichern, Verantwortung abschieben. Und auch der Alltagsrassismus der deutschen Deppen ist vor allem ein Appell ans nationale Privileg: Der Staat soll „Deutsche zuerst!“ bedienen. „Das Wir gewinnt“, heißt es dann in Presse und Medien. Das „Ihr“ verliert, ist die bittere Konsequenz dieser Logik.

Antimilitarismus bedarf einer Kritik von Staat und Nation, denn diese sind die Grundlagen für Konflikte zwischen den Nationalstaaten um Ressourcen, geopolitischen Einfluss, etc., die mal diplomatisch, mal offen kriegerisch geführt werden.

Wissenschafts- und Bildungskritik bedürfen einer Kritik an Staat und Nation, denn politische bzw. emanzipatorische Aktivität an (Hoch-)Schulen ist nur dann zu etwas nütze, wenn sie die staatlichen Mittel und Zwecke der Bildung attackieren: Entwicklung des nationalen Humankapitals, Wissenschaft als Standortfaktor und „Selbstbestimmung“ nur als Training für Konkurrenz und Auslese.

Arbeitskämpfe bedürfen einer Kritik von Staat und Nation, denn jede Politik „im Interesse der Lohnabhängigen“ wird sonst zur nationalen Komplizenschaft gegen Erwerbslose einerseits, und gegen „ausländische“ Lohnabhängige andererseits. Lohnarbeit, die herrschende Form kapitalistischer Ausbeutung, heißt Arbeit in endloser Konkurrenz, für andere und gegen andere, zusammengehalten durch staatliches Recht, staatliche Aufsicht und unter anderem nationales Interesse.

Geben wir also der Feier der Nation, trotz unserer verschiedenen thematischen Schwerpunkte, die passende Antwort: Unseren Widerstand und ein lautes, klares und kompromissloses:

FUCK YOU!

Diskussionsveranstaltung – AK: Kritik der Nation und des Nationalismus // Samstag 1. Oktober 2011 – 14:30 Uhr // Bonn, Kult 41

Antinationale Demo: The only PIIG’S the System! Organisiert den Vaterlandsverrat! // Sonntag 2. Oktober 2011 – 19:00 Uhr // Bonn, Hbf

Bundesweite Demonstration gegen die Einheitsfeier // Montag 3. Oktober 2011 // Bonn

friede-freude-eierkuchen.net

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NACHTRAG: Bericht zu den Demonstrationen gegen die Einheitsfeierlichkeiten am 2. und 3. Oktober in Bonn
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Gegen 18 Uhr versammelten sich die ersten Demonstrationsteilnehmer_innen am Startpunkt in der Nähe der Innenstadt und in so unmittelbarer Nähe zu den Festlichkeiten, sodass die Demo sich wortwörtlich zwischen den Bierbuden formierte.
Auch wenn es anfangs so schien, als sei die Demo eher schwach besucht, erschienen bis zu den ersten Redebeiträgen und bis sich die Masse in Bewegung setzte, schließlich doch auch ca. 800 Leute.
Die Demo wirkte gegen Anfang äußerst entschlossen, was sich unter anderem durch das unmittelbare Zünden von Pyrotechnik zeigte, woraufhin Team Green jedoch gleich reagierte und den ganzen Demozug zum Stehen brachte. Diese Vorgehensweise sollte für den Rest des Abends bei ähnlichen Aktionen weiterhin von den „Ordnungshüter_innen“ an den Tag gelegt werden und so wurde alles zu einem langen „Stop and Go“-Spaziergang.

Die Demo, die anfangs noch durch die Innenstadt verlief, sollte schon bald durch eher weniger stark frequentierte Bereiche Bonns führen, um dann beim Haus der Geschichte aufgelöst zu werden. Jedoch erreichte die Demonstration ihren Endpunkt nicht, da die Cops ca. 200 Meter vor dem Haus der Geschichte eine Straßensperre errichtet hatten und so die Leute daran hinderte, an den angemeldeten Endpunkt zu gelangen.

Die Demonstration am 3. Oktober begann gegen ca.12 Uhr und wurde von einigen Redebeiträgen eröffnet. Der Demozug bestand aus einigen Abschnitten, unter anderem einem „Tanz-Block“ und dem „Imagine there is no Deutschland“-Block, in welchem zahlreiche Israel-Fahne zu sehen waren, was zu Unmut einiger Demonstrationsteilnehmer_innen führte, da es sich nach ihrer Auffassung um eine antinationale Veranstaltung handeln sollte. An dieser Stelle ist zu sagen, das die gesamte Demo von Seiten der Polizei und trotz der ständigen innerlinken Konflikte friedlich verlief.
Nach ca. 2 Stunden wurde die Demo früher als geplant und in unmittelbarer Nähe zum „Deutschlandfest“ aufgelöst, um Menschen eventuelle Störaktionen zu erleichtern.