Archiv für Juli 2011

Café macht Sommerpause

Im August macht das Café Résistance einen Monat Sommerpause, d.h. es werden keine Cafés stattfinden.
Ab September wieder jeden 1. und 3. Dienstag im Monat ab 19 Uhr im SubstAnZ (Frankenstr. 25a, Osnabrück).
Das nächste Café ist am Dienstag, dem 6. September 2011.

75. Jahrestag der spanischen Revolution

Veranstaltungstipp: „A las barricadas!“
CNT
Die Antifaschistische Videofilmreihe, das Café Mano Negra, die Kleinen Strolche, der Infoladen und Ventose veranstalten anlässlich des 75. Jahrestages des Beginns der Sozialen Revolution und des Krieges in Spanien am Sonntag, den 17. Juli 2011 ab 15 Uhr am Café Mano Negra (Alte Münze 12) drinnen und draußen ein Sommerfest mit Lesungen, Infos, Filmen, Live-Musik und einer großen Wandzeitung.

Osnabrücker Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt

Am 6. Juli 2011 verurteilte ein italienisches Militärgericht in Verona sieben von neun angeklagten ehemaligen Wehrmachtssoldaten wegen Mordes zu hohen Entschädigungszahlungen und lebenslanger Haft. Die Angeklagten waren im 2. Weltkrieg Mitglieder der Division „Hermann Göring“ und verübten Massaker an der Zivilbevölkerung in Italien. Unter ihnen ist der 93-jährige Ferdinand Osterhaus, der heute unbehelligt in Osnabrück lebt. Er diente als Offizier in der Einheit, die in der Toskana und der Emilia-Romagna mehr als 1500 Menschen ermordete.

Die Fallschirm-Panzerdivision „Hermann Göring“ bestand aus Freiwilligen aus verschiedenen NS-Organisationen. Diesen „ideologisch gefestigten“ Männern, überwiegend Abiturienten, wurde eine besondere Ausbildung zuteil und ihre Ausrüstung war hervorragend. Sie standen unter dem besonderen Schutz ihres Namenspatrons, des Oberbefehlshabers der deutschen Luftwaffe und waren seine „Lieblingseinheit“.
Die Division entwickelte sich von einer Polizeiabteilung in den 1930er Jahren zu einer Kampftruppe, die im 2. Weltkrieg unter anderem im Westfeldzug, in Nordafrika und an der Ostfront eingesetzt wurde, um den nationalsozialistischen „Endsieg“ zu erringen. Während der Niederschlagung des Warschauer Aufstands im August 1944 benutzte sie Unbewaffnete als „Schutzschilde“ für ihre Panzer und war an Massenexekutionen beteiligt. 1943/1944 kämpfte die Einheit in Italien gegen die vordringenden Allierten und wurde in der Bergregion zwischen der Emilia-Romagna und der Toskana zur Aufstandsbekämpfung eingesetzt. Dies bedeutete, dass als Vergeltung für die Anschläge der antifaschistischen Partisan_innen auf die deutschen Soldaten Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung verübt wurden.
Die Nazis töteten und vergewaltigten und plünderten, erschossen Nutztiere und brannten Häuser und Felder vollständig nieder. In den Dörfern, die sie aufsuchten, sollte nie wieder ein Mensch leben können. Der Terror sollte die Bevölkerung vom Widerstand gegen den Faschismus abschrecken und die Moral der Resistenza untergraben.

Das italienische Militärgericht in Verona verhandelte seit November 2009 erstmals über 21 Massaker, die im März und Juli 1944 stattfanden und in deren Verlauf mindestens 400 Menschen ermordet wurden.
Von den Angeklagten erschien keiner bei Gericht in Italien. Lediglich Ferdinand Osterhaus schickte den Osnabrücker Rechtsanwalt Robert Seidler stellvertretend. Für ihn selbst sei die Reise zu „beschwerlich“. Osterhaus war als 26-jähriger Offizier Zugführer in der Division. Für ihn lautete die Anklage auf dreimal lebenslang für die Beteiligung an vier Massakern mit 391 Toten.
Sein Anwalt versuchte in Verona, Verfahrens- und Übersetzungsfehler geltend zu machen und behauptet, sein Mandant wäre lediglich mit der Ausbildung neuer Soldaten befasst und außerdem natürlich nicht „linientreu“ gewesen. Der „einleuchtende“ Beweis dafür: Die fehlende Mitgliedschaft in der SS oder der NSDAP. Und die Neue Osnabrücker Zeitung weist eindringlich daraufhin, dass ein derartiger Prozess „nach deutschem Recht undenkbar“ wäre.
Jedoch wurden die Kriegsverbrecher in Italien im Beisein vieler Hinterbliebener und Mitglieder der ANPI verurteilt.
Der deutsche Staat allerdings liefert Alt-Nazis prinzipiell nicht aus, so dass sie der Verurteilung zum Trotz weiterhin ungestört ihren Lebensabend hier verbringen können.

Kein Vergeben – Kein Vergessen!

Weitere Informationen:
Infos über Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher in Italien
Analyse Kritik Aktion